MJ

Tears in heaven -
Predigt am Totensonntag 2001 zu einem Lied von Eric Clapton

 

Would you know my name if I saw you in Heaven?
Would you feel the same if I saw you in Heaven?
I must be strong and carry on,
'Cause I know I don't belong here in Heaven.....

Would you hold my hand if I saw you in Heaven?
Would you help me stand if I saw you in Heaven?
I'll find my way, through night and day,
'Cause I know I just can't stay here in Heaven...

Time can bring you down, time can bend your knees.
Time can break your heart, have you begging ...please...
Beyond the door, there's peace I'm sure.
And I know there'll be no more tears in Heaven .......

(Würdest Du meinen Namen kennen, wenn ich dich im Himmel sähe? 
Würde es wie früher sein, wenn ich dich im Himmel sähe?
Ich muss stark sein und weiter machen, weil ich weiß, ich gehöre noch nicht in den Himmel.

Würdest Du meine Hand halten, wenn ich dich im Himmel sähe? 
Würdest Du mir helfen zu stehen, wenn ich dich im Himmel sähe?
Ich muss meinen Weg finden zwischen Tag und Nacht, weil ich weiß, ich kann hier im Himmel nicht bleiben.

Die Zeit kann dich fertig machen, die Zeit kann dich einsam machen. 
Die Zeit kann dein Herz brechen, lässt dich bitten und betteln.
Hinter der Tür ist Frieden, da bin ich sicher, und ich weiß, es wird keine Tränen im Himmel geben.)

Liebe Gemeinde!


Am letzten Sonntag eines jeden Kirchenjahres gedenken wir Evangelische unserer Verstorbenen. Wir gehen auf den Friedhof zu den Gräbern derer, die vor uns waren und vor uns gingen. In unseren Kirchen lesen und hören wir noch einmal die Namen der Menschen, die aus unserer Gemeinde im letzten Jahr verstorben.

Viele von Ihnen waren im zu Ende gehenden Kirchenjahr hier im Gemeindehaus, weil jemand von ihnen gegangen ist:
Mann oder Frau, Opa oder Oma, Sohn oder Tochter, Onkel oder Tante, Bruder oder Schwester, Freundin oder Freund, Kollegin oder Kollege, Nachbarin oder Nachbar.

Mit vielen von Ihnen stand ich am Grab, sah Ihren Schmerz, fühlte ihn ein Stück mit. Wir hielten hier Gottesdienst, fragten uns, was bleibt, nannten Gott unsere Zweifel und unsere Trauer, baten um Hilfe und Beistand, übergaben den Verstorbenen oder die Verstorbene in Gottes Hand. Wir hörten von der Hoffnung der Christen auf das ewige Leben und die Auferstehung der Toten. Wir dachten an den Weg der Trauer, der vor Ihnen lag und auf den Sie inzwischen ein mehr oder weniger großes Stück gegangen und hoffentlich auch vorangekommen sind.

Heute sammeln wir all das noch einmal, denken noch einmal nach über den Weg der Trauer. Dazu kann uns ein wunderbares Lied von Eric Clapton helfen.

Eric Clapton - bekannt seit den sechziger Jahren als genialer Gitarrist, in den siebziger Jahren durch ein tiefes Tal durch Alkoholismus und Drogenmissbrauch gegangen, in den letzten Jahren erneut groß herausgekommen. Eric Clapton verliert eines Tags seinen fünfjährigen Sohn, als dieser aus dem Fenster eines Hochhauses stürzt und sofort tot ist. Jahre später schreibt er dieses Lied "Tears in Heaven". Eigentlich ein Brief eines noch Lebenden an einen schon Toten. Ein Stück Trauerarbeit.

- Lied spielen -

Claptons Gedanken kreisen in diesem Lied um den Verstorbenen. Er stellt sich vor Augen, was sie im Leben verbunden hat, macht sich klar, was er verloren hat. 
Trauerarbeit braucht Zeit, jeder und jede braucht seine bzw. ihre Zeit, muss den eigenen Weg durch dieses Tal finden. Claptons Worte machen Mut, über die eigene Trauer, aber auch über die eigene Hoffnung nachzudenken, sie in eigene Worte zu fassen.

Er beschriebt ein Ineinander und Miteinander von Diesseits und Jenseits, von hier und dort, von Himmel und Erde. Die Vorstellung, wie es sein würde, wenn sie sich wiedersehen würden, hilft ihm, seine Trauer in Worte zu fassen: Wäre es wie früher? Würdest du mich kennen, wenn ich dich dort sehen würde? Würdest du meine Hand halten? 

Eric Clapton greift dabei viele Bilder auf, die wir aus der Bibel kennen: dort wird es keine Tränen mehr geben, das Halten der Hand, das Kennen des Namens, die Tür zum Himmel. Zugleich macht er sich mit drastischen Worten klar, dass seine Zeit noch nicht gekommen ist, sein Platz noch nicht im Himmel, sondern noch auf Erden ist, er spricht davon stark sein zu müssen und hier den Weg zwischen Nacht und Tag finden zu müssen. 

Vielleicht spricht er dem einen oder der anderen mit seinen Worten aus der Seele. Oder entführt Ihre Gedanken mit dem Klang seiner Gitarre fort zu eigenen Bildern und Worten. Er lädt ein, sich mit dem Tod eines nahen Menschen und mit dem eigenen Sterben zu beschäftigen. Er lädt ein, mir darüber klar zu werden, wo mein Platz ist und was in diesem Leben zählt. Dabei lässt er sich inspirieren von den Bildern und der Hoffnung der Bibel, von den Worten des Propheten Jesajas genauso wie von den Visionen des Johannes aus dem letzten Buch der Bibel. Er spricht zwar nicht ausdrücklich von der christlichen Hoffnung auf das ewige Leben, aber diese leuchtet für mich doch durch die Worte Claptons hindurch. Ewiges Leben bedeutet in der Bibel ja keineswegs, dass wir ewig leben würden. Ewiges Leben in der Bibel meint das Aufgehoben- und Für-immer-gehalten-Sein bei und durch Gott. Dorthin sind unsere Verstorbenen uns vorangegangen, dorthin werden auch wir einst gehen, wenn es Zeit ist. Doch noch müssen wir unseren Weg hier finden zwischen Tag und Nacht, weil wir wissen, wir gehören noch nicht in den Himmel.

Ich wünsche Ihnen und mir, dass dieses wunderbare Lied uns zu Nachdenken bringt, dass es die biblischen Bilder aufleuchten lässt, damit wir alle von der Hoffnung der Bibel auf das ewige Leben ermutigt werden, auf unserem Weg voran zu gehen.
Amen.

- Lied noch einmal spielen -