MJ

Zugangsbarrieren zum und im Internet - Medienethische Untersuchung

Dieser Text entstand im Herbst 2004
(Hausarbeit im Bereich Medienpädagogik - Magisterstudiengang FernUni Hagen)

 

Gliederung

1 Einleitung: "Herrschaftswissen?!"

2 Kommunikationsraum Internet

3 Kategorien von Zugangsbarrieren

4 Exemplarische Diskussion der Kategorien

4.1 Soziale Barrieren

4.2 Kommerzielle Barrieren

4.3 Kompetenzbarrieren

4.4 Glaubwürdigkeitsbarrieren

4.5 Aufzurichtende Schutzbarrieren

4.6 Emotionale Barrieren

5  Kritik der Barrierekategorien unter Hinzunahme medienethischer Überlegungen

5.1 Das Menschenrecht auf Kommunikation

5.2. Vertrauen und Verantwortung als Beurteilungskriterien

5.3. Kritische Überlegungen zu einzelnen Kategorien

5.3.1 "Grundversorgungsauftrag" und Internetzugang?

5.3.2 Selbstregulierung im Internet?

1 Einleitung: "Herrschaftswissen?!"

In der wöchentlichen Dienstbesprechung sitze ich mit meinen beiden Kollegen und der Kollegin zusammen. Es geht um die geplante neue Software für die Mitgliederverwaltung der Kirchengemeinde, die im nächsten Jahr eingeführt werden soll. Es entwickelt sich zwischen einem Kollegen und mir eine Diskussion darüber, ob die neue Software auf den alten Rechnern noch laufen wird, oder ob dafür neue benötigt werden. Irgendwann wird es den anderen beiden zu bunt, denn sie können mit Begriffen wie Arbeitsspeicher und Prozessoren, DVD-Brennern und ftp-Übertragung nichts anfangen. "Herrschaftswissen" schimpft schließlich  grinsend meine Kollegin los, und die Runde bricht in Gelächter aus.

Dieser Graben trennt uns an vielen Stellen. Wie kann ich Dokumente als Anhang zu einer Email verschicken? Wie kopiere ich einen Link in eine Email-Nachricht? Wie lade ich eine Datei aus dem Internet herunter? Wie präsentiere ich die neuesten Entwicklungen des Gemeindelebens auf der Website der Kirchengemeinde?

Schlaglichter aus dem pfarramtlichen Alltag. Aber an solchen kleinen, alltäglichen Beispielen bekommt das Schlagwort von den Zugangsbarrieren ein konkretes Gesicht. Mehr und mehr, so scheint es, gehört es heute schon zum allgemeinen Kulturwissen, sich im Internet auszukennen und bewegen zu können. Doch zugleich entwickeln sich auf diese eine Vielzahl von Barrieren.

Ziel dieser Arbeit ist aufzuzeigen, wie Zugangsbarrieren im Internet medienethisch untersucht werden können. Dazu werde ich zunächst den Kommunikationsraum Internet kurz vorstellen (2). Danach entwickle ich zur Systematisierung der Barrieren sechs Kategorien von Zugangsbeschränkungen (3). Es schließt sich eine exemplarische Diskussion der sechs Kategorien an (4). In einem zweiten Teil entwickle ich ausgehend vom Menschenrecht auf Kommunikation die für die ethische Beurteilung der Zugangsbarrieren sinnvollen Kriterien Vertrauen und Verantwortung (5), die mir bei der Diskussion der Kategorien  bereits begegnet sind. In einem Schlussabschnitt versuche ich zu verdeutlichen, wie diese Kriterien konkret angewendet werden können (6).

 

2 Kommunikationsraum Internet

Differenziert betrachtet verbergen sich hinter dem Begriff "Internet" eine ganze Reihe von neuartigen Kommunikationsmöglichkeiten. Ich folge dem Vorschlag von Andreas Greis, im Blick auf das Internet von einem Kommunikationsraum zu sprechen, in dem sich verschiedene Medien unterscheiden lassen, die jeweils unterschiedliche Kommunikationsweisen mit sich bringen (2001, 93).

Vorraussetzung für den Zugang zum Internet ist ein PC mit der Möglichkeit, sich ins Netzwerk einwählen zu können. Hier schreitet der technische Fortschritt rasant voran. Die sich momentan verbreitende Breitbandübertragung (DSL) ermöglicht es nicht nur, große Datenmengen schnell zu transferieren. Durch die grundsätzliche Trennung des DSL-Zugangs von der Telefonleitung (Modem, ISDN) wird es derzeit für eine immer größere Zahl von Menschen möglich, zu einem akzeptablen Preis praktisch rund um die Uhr "online" zu sein. Die nächste technische Stufe ist bereits in der Umsetzung: WLAN, die drahtlose Kommunikation, die es zumindest mit Laptop ermöglicht, auch örtlich die Grenzen des Zuganges zu sprengen.[1] Darüber hinaus deutet sich das Ende der herkömmlichen Telefonie an, da das Telefonieren über das Internet durch die Breitbandtechnik inzwischen ohne Qualitätsverlust möglich wird.[2]

Hilfreich im Blick auf das Internet selbst scheint mir im Anschluss an Patrick Rössler die Unterscheidung von verschiedenen Medien im Kommunikationsraum Internet. Diese orientiert sich an den Kommunikationsmodi, die es erlaubt, "die einzelnen Dienste im Zuge einer Wirkungsforschung jeweils spezifisch auf ihre Individualität (Individual- oder Massenkommunikation), ihre Interaktivität (Einweg- oder Zweiweg-Kommunikation) und Medialität (monomedial oder multimedial) zu befragen" (Rössler bei Greis 2001, 93).  Im wesentlichen sind es folgende Dienste[3]:

- WWW

- Email

- Chat/MUD

- Newsgroups

 

3 Kategorien von Zugangsbarrieren

Unter Zugangsbarrieren kann man zunächst jegliche Hindernisse um Zugang zum Netz oder in der Bewegung im Netz verstehen. Schon der Überblick über den vielschichtigen Kommunikationsraum Internet (vgl. 2) macht deutlich, dass es sinnvoll ist, hier verschiedene Kategorien zu entwickeln.

Ich möchte in Aufnahme und Weiterführung eines Vorschlages von Bernhard Debatin sechs Kategorien nennen (vgl. zum Folgenden: ders. 2002, 222ff.).

Debatin konstatiert zunächst die auch von mir genannte Vielschichtigkeit des Internets und schlägt dann die Unterscheidung von zwei Problemzonen vor, denen er je drei Problemfelder zuordnet.

Zunächst spricht er vom "Digital Divide", den "allgemeinen neuen Formen informationellen Ungerechtigkeit" und nennt hier die drei Problemfelder:

- Zugang zum Internet: "Der Zugang zum und die Nutzung des Internets sind letztlich eine Frage der ökonomischen und politisch-sozialen Bedingungen, sowohl im Mikrobereich (z. B. stellt sich die Frage, ob ich mir einen netzfähigen Computer leisten kann) wie auch im Makrobereich (z. B. die Bereitstellung der notwendigen technischen und bildungsmäßigen Infrastruktur";

- Kommerzialisierung des Netzes: "Die zunehmende Kommerzialisierung schafft neue Märkte, aber mit ihr entstehen auch neue Problemformen und neue Ungerechtigkeiten";

-  informationelle Überflutung: "Der Komplexität, Menge und Beliebigkeit der Information entspricht auf der Benutzerseite eine informationelle Desorientierung und Überforderung".

Die zweite Problemzone ist der "Digital Content", "worunter allgemein die Probleme zu fassen sind, die mit der Auswahl, Verbreitung und Veränderung von digitalisierter Information zu tun haben." Hier nennt Debatin die Problemfelder:

- Wahrheitsgehalt und Glaubwürdigkeit einer Website: Hier wird darauf verwiesen, dass sich zum einen noch keine zuverlässigen Wahrheitsindikatoren für Informationen im Internet entwickelt haben und zum anderen die grafische Erscheinungsform "die Illusion von Zuverlässigkeit und Authentizität" erweckt, dies aber gerade die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Fälschung erschwert;

- ethisch fragwürdige Inhalte: Dazu zählen alle Inhalte die auf Verletzung von  Normen und Werte anderer gerichtet sind; radikale Weltbilder, die auf intolerante und aggressive Weise verbreitet werden und gewalttätige oder menschenverachtende Inhalte  (wie z. B. Kinderpornographie);

- Datensicherheit und –missbrauch: Hier führt Debatin Fragen der Verschlüsselung von Daten auf, aber auch Fragen des Urheberschutzes im Blick auf das illegale Verbreiten von Software, Filmen oder Musik.

Diese Unterscheidung in Problemzonen und Problemfelder stellt den konsequentesten mir bekannten Versuch dar, die ethischen relevanten Aspekte des Internets nicht nur zu nennen, sondern auch zu systematisieren. Ich möchte daher seine Einteilung aufnehmen, aber im Blick auf den von mir gewählten Begriff der Zugangsbarrieren umformulieren. Der Begriff der Barriere scheint mir  griffiger zu sein als die Rede von Problemzonen und –feldern. Er macht deutlich, dass es hier um Hindernisse geht, die zu überwinden (oder in einzelnen Bereichen auch aufzubauen) sind. Diese Hindernisse beruhen auf bestimmten Strukturen, die ihrerseits auf Handlungsträger zurückgeführt werden können (so schwierig das im Einzelfall im Netz auch sein mag, vgl. Funiok 2002, 45).

Ich möchte folgende Kategorien nennen, wobei ich zunächst in den ersten vier der Systematik Debatins folge:

a) soziale Barrieren

Hierhin gehören die Beschränkungen, die soziale Ursachen haben, also zuwenig Einkommen, um mir die Hardware leisten zu können oder den Provider bezahlen zu können. Auf einen Nenner gebracht: wer kann sich den Netzzugang finanziell nicht leisten?

b) kommerzielle Barrieren

In diese Kategorie gehören alle Barrieren, die mit Kosten im Netz verbunden sind bzw. durch den Einsatz von Geld im Internet entstehen. Es geht hier nicht um die eigentlichen Providerkosten, sondern um die Frage nach kostenpflichtigen Inhalten und nach den Beeinflussungsmöglichkeiten, die finanzkräftige Anbieter von Informationen besitzen.

c) Kompetenzbarrieren

Hier geht es um die Fähigkeiten, die ich besitzen bzw. entwickeln muss, um mich im Netz bewegen zu können. Die fängt bei Fragen nach der Bedienung  der Hardware an, dann geht es um die Handhabung von Browser und Mailprogrammen an, bezieht die Fähigkeit ein, Informationen im Netz zu suchen und zu finden oder eigene Informationen im Netz publizieren zu können.

d) Glaubwürdigkeitsbarrieren

Hier geht es um die Vertrauenswürdigkeit der angebotenen Inhalte und deren Anbieter in einem Raum, in dem Anonymität eine große Bedeutung besitzt. Welcher Information, welchem Anbieter kann ich vertrauen, woher weiß ich bzw. wie kann ich überprüfen, dass Inhalte "wahr" sind?

Im Blick auf die letzten beiden Kategorien sagt Debatin selbst, dass die Felder "ethisch-fragwürdig Inhalte" und "Datensicherheit und – missbrauch" eng zusammen hängen (ebd., 220). Ich möchte hier etwas anders unterscheiden.

e) aufzurichtende Schutzbarrieren

Zunächst möchte in diese Kategorie alle Aspekte eingruppieren, die mit  Schutzrechten von Menschen im Internet zusammenhängen: sowohl des Jugendschutzrechtes und des Schutzes vor menschenverachtenden Inhalten als auch Urheberschutzrechte. Im Unterschied zu allen anderen fünf Barrieren geht es hier nicht um einen Abbau von Hindernissen, sondern um das Errichten von Zugangsbarrieren.  Dies scheint mir der entscheidende "Link" zu sein, daher nehme ich zum Unterschied zu Debatin den Aspekt des Urheberschutzes und die Frage der Datensicherheit hier mit auf.

f) emotionale Barrieren

In diese Kategorie gehören aus meiner Sicht alle Barrieren, die auf Emotionen wie Angst oder Misstrauen beruhen und so für Menschen ein Zugangshindernis darstellen. Hierhin gehört die Angst vor Datenmissbrauch z. B. im Onlinebanking oder bei der Elektronischen Steuererklärung, aber auch das eher diffuse Gefühl (Vor-Urteil) vieler Menschen: "Das Internet hat für mich keinen Nutzen", welches eine Kontaktaufnahme und Auseinandersetzung mit dem Medium verhindert.

 

4 Exemplarische Diskussion der Kategorien

Ich möchte nun die einzelnen Barrieren beschreiben, dazu nehme ich ausgewählte Beispiele.

4.1 Soziale Barrieren

Hier geht es um Barrieren, die durch mangelnde finanzielle Ressourcen gekennzeichnet sind. Wer kann sich den Netzzugang, Hard- und Software, Providergebühren nicht leisten?

Nach Angaben der ARD-Umfrage 2004 haben 53% der Deutschen zumindest gelegentlich Zugang zum Netz. Im Jahr 2004 haben dabei die neuen Bundesländer aufgeholt, hier stieg die Zahl der zumindest gelegentlichen Nutzer von 2003 46,1 auf nun 52,3%, während die Zahl für die alten Bundesländer bei 55% verblieb (van Eimeren et. al. 2004, 351). Allerdings gibt es große Unterschiede in den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. So sind zwar 90% der Jugendlichen zwischen 14 und 19 online, diese Quote nimmt mit zunehmenden Alter ab, von den über 60jährigen sind nur noch 12,8% im Netz (ebd., 352). Einen wichtigen Hinweis gibt die Untersuchung von 2003: viele Menschen haben den Erstkontakt zum Netz am Arbeitsplatz und bekommen dann Lust, diese Technik auch zuhause anzuwenden (van Eimeren et. al. 2003, 340f.).  Angesichts der hohen Arbeitslosenzahlen existiert hier ein tiefer Graben: "Die berufliche Situation hat einen erheblichen Einfluss darauf, ob jemand das Internet nutzt oder eher nicht. In Deutschland sind über 70 Prozent derjenigen online, die sich in einer Ausbildung befinden. Die Berufstätigen sind zu 57 Prozent online. Deutlich schwächer vertreten sind mit knapp über 30 Prozent die Hausfrauen bzw. –männer sowie die nicht beschäftigten Personen, von denen nur jeder Fünfte das Internet nutzt" (Konert, 2002, 21). Umgekehrt resümiert die ARD/ZDF-Offline-Studie 2004, dass "die Faktoren Alter (= 60 Jahre und älter), Nichtberufstätigkeit und formal geringe Bildung jeweils sehr hohe Offlineranteile" bedeuten (Gerhards et. al. 2004, 371). Hier fällt auf, dass die Frage der Kosten nicht genannt wird. In einer Übersicht von Gernot Gehrke wird deutlich, dass die Frage nach den Kosten mit steigendem Haushaltseinkommen an Bedeutung verliert (2002, 36). Allerdings lässt sich hier nicht linear vom Haushaltseinkommen auf die Internetnutzung schließen. Der "Sozialbericht NRW 2004" verdeutlicht, dass zum einen das Armutsrisiko vor allem bei Kindern und Jugendlichen, bei Alleinerziehenden und Haushalten mit drei und mehr Kindern sowie bei Erwerbslosen liegt (MGSFF 2004, 220), zum anderen ältere Menschen im Blick auf die Gesamtbevölkerung überdurchschnittliche Einkommensverhältnisse besitzen (ebd., 274). Bertram Konert resümiert seine Analyse verschiedener Erhebungen so: "Insbesondere die drei Faktoren Bildung, Haushaltseinkommen und die berufliche Situation stehen in einer engen Wechselbeziehung und bilden daher zusammen den zentralen kontextualen Hintergrund dafür, ob jemand (unter statistischen Gesichtspunkten) derzeit eher offline oder online ist" (2004, 21). Die Frage nach den Kosten ist also nicht isoliert zu betrachten, es muss also differenziert auf verschiedene Gruppen geschaut werden. Dies verdeutlicht z. B. eine spezielle Untersuchung vom Internetzugang von Frauen.

Frauen sind gegenüber Männern in vielen Bereichen im Blick auf die Internetnutzung unter repräsentiert:

- bei 52% Frauenanteil an der Gesamtbevölkerung sind nur 43,8% online;

- Schülerinnen und Frauen mit Hochschulabschluss liegen mit Männern gleichauf, Frauen mit anderen Bildungsabschlüssen liegen deutlich hinter Männern;

- in der Gruppe der Menschen mit geringem Einkommen gibt es besonders wenig Internetnutzung, in diese Gruppe gehören aber mehr Frauen als Männer;

- ältere Frauen sind deutlich weniger im Internet als gleichaltrige Männer (nach Schwarze 2003).

Schwarze resümiert in ihrer Auswertung, dass es in allen "internetfernen" Zielgruppen Zuwachsraten gibt, zugleich aber die Abstände zu nutzungsstarken Zielgruppen erhalten geblieben sind oder sich gar vergrößert haben. Sie fordert eine Detailanalyse, die Ansatzpunkte für Verbesserungen schafft: "OfflinerInnen in detaillierte Zielgruppen aufteilen! Also nicht: 'die Frauen' sind offline, sondern 'Seniorinnen', 'Frauen in der Familienphase', 'Frauen mit geringer Bildung und geringem Einkommen', 'Frauen im Handwerk'"  (2003, 46).

Angesichts des Armutsrisikos überrascht die hohe Onlinequote von Kindern und Jugendlichen. Sie erklärt sich m. E. über die zunehmenden kostenlosen Internetzugänge in öffentlichen Einrichtungen wie Bibliotheken und Schulen. Diese einzurichten wird verstärkt als politische Aufgabe angesehen. Der internationale Vergleich zeigt, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Zahl öffentlicher Internetzugänge und der Nutzerrate gibt. "Zwar kann ein Ursache-Wirkungszusammenhang aufgrund des derzeit verfügbaren statistischen Materials nicht eindeutig nachgewiesen werden, trotzdem ist die Annahme berechtigt, dass eine Erhöhung der Zahl öffentlicher Zugangsorte positiv auf die Nutzerrate in der Bevölkerung wirkt" (Croll 2002, 86).

Die Bundesregierung unterstützt unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit die "Stiftung Digitale Chancen" (www.digitale-chancen.de), die eine Datenbank öffentlicher Internetzugänge insbesondere in sozialen Einrichtungen vorhält. In der Zielsetzung der Stiftung heißt es: "Ziel des Netzwerks und der neu gegründeten Stiftung Digitale Chancen ist es, Menschen für die Möglichkeiten des Internet zu interessieren und sie beim Einstieg zu unterstützen. So können sie die Chancen dieses digitalen Mediums erkennen und für sich nutzen." Dazu gehört auch die gezielte Einrichtung von Internetzugängen in Arbeitslosenzentren und die Entwicklung eines "Führerschein für Arbeitslose" im Rahmen des Programms der Bundesregierung: Internet für alle. [4] Zugang zum WWW ist so für sozial Benachteiligte sicher möglich, regelmäßiger Emailkontakt ist m. E.  über öffentliche Zugänge nur schwerlich aufrecht zu erhalten. Damit wird ein Teil der Mehr-Weg-Kommunikationsmöglichkeiten im Internet für diese Gruppen verhindert oder zumindest erschwert.[5]

Das ist auch deshalb problematisch, weil sich Schere zwischen Offlinern und Onlinern ständig weiter öffnet, da sich die Hardware und die Übertragungsmöglichkeiten permanent verbessern und verändern – Nutzer aber auch die finanziellen Ressourcen besitzen müssen, um mit der Fortentwicklung Schritt halten zu können. Gehrke spricht bereits hinsichtlich der neuen Breitbandtechnik von einer neuen digitalen Teilung (2004, 40). Er verweist zugleich mit Eszter Hargittai und anderen auf das Phänomen einer "Second-Level Digital Divide", um damit deutlich zu machen, "dass sich Teilungen auch innerhalb der Onliner abhängig vom Wie der Nutzung abzeichnen" (ebd. 2004, 32). So resümiert auch Guido Schryen im Blick auf die starke Zunahme von öffentlich zugänglichen WLAN-Zugängen: Es "ist zu befürchten, dass sich die Kluft aufgrund des mobilen Internets und der damit verbundenen Medienkonvergenz vergrößern wird, da insbesondere die Technologie-Affinen und Onliner angesprochen werden dürften" (ders. 2002, 50).

 

4.2 Kommerzielle Barrieren

"Die zunehmende Kommerzialisierung schafft neue Märkte, aber mit ihr entstehen auch neue Problemformen und neue Ungerechtigkeiten" (Debatin 2002, 223). Damit verbunden entwickeln sich vielfältige Barrieren im Netz, die z. B. durch kostenpflichtige Inhalte aufgerichtet werden oder durch geschickte Steuerung von Informationen durch den Einsatz finanzieller Mittel.

Natürlich muss im Internet Geld verdient werden können. PC´s müssen produziert werden, die Provider müssen ein Netz vorhalten und wegen des steigenden Bedarfes ausbauen, neue technische Möglichkeiten wollen entwickelt und umgesetzt werden. Doch wer hat hier Macht, wem zu was zu welchem Preis Zugang zu gewähren? Und welche konkreten – nicht nur ökonomischen -  Interessen sind damit verbunden? Debatin weist darauf hin, dass im Internet nicht nur mächtige wirtschaftliche Interessengruppen vertreten sind, sondern diese "ihre eigenen technischen und ökonomischen Normierungen unter der Hand und ohne lange zu fragen einführen" (1999, 285). Dazu passt die Beobachtung von Larissa Krainer, dass gerade im Bereich der Medienethik und denen in diesem Bereich handelnden Personen die Anforderungen entweder so allgemein-abstrakt sind, dass sie alle und damit niemanden treffen – oder so komplex sind, dass Individuen mit einer Verantwortungszuschreibung völlig überfordert wären (2003, 162).

So entstehen hier Grauzonen, in denen Zugangsbarrieren durch geschickte Steuerung entwickelt werden, denn mit dem Einsatz von Geld besteht die Gefahr von Beeinflussung: "Je mehr Macht, desto größer sind die Freiheitsgrade und umso größer ist die Möglichkeit, nicht nur reaktiv, sondern proaktiv zu handeln" (Funiok 2002, 51). Ich möchte dies am Beispiel der Informationssteuerung durch Suchmaschinen und Portale verdeutlichen.

Die extreme Unübersichtlichkeit der Informationen im Internet verleitet einen "Pseudo-Vertrauensvorschuss" der bekannten Namen aus Funk, Fernsehen und Presse und greift über deren Portale auf das Internet zu.[6] Wer nicht kompetent ist, sich selbst eine Meinung zu bilden, wird verleitet, dem "Bekannten" zu trauen. Wer nicht gelernt hat, Informationen zu suchen, zu sichten und zu bewerten, verfällt schnell dem schönen Schein von gut gestalteten Seiten, deren Ästhetik inhaltliche Mängel übersehen lässt (Debatin 2003, 225). Der Gedanke der Gleichberechtigung wird so beeinträchtigt (vgl. Nolda 2001, 141 Anm. 45). "Das Internet, so die Befürchtung vieler Kritiker, wird von einem unabhängigen, vielgestaltigem Pull Medium, das aktives Suchen und Eigeninitiative auf der Benutzerseite erfordert, zu einem konsumorientierten Push Medium, das von den großen Medienunternehmen abhängt und den Benutzer mit vorgefertigter Unterhaltung und Mainstream-Informationen beliefert" (Debatin 2002, 224). Auf diese Art und Weise können Medienunternehmen Kommunikationsprozesse steuern "und haben damit die Möglichkeit, bestimmte Wirklichkeiten zu schaffen und bestimmte Werte zu vermitteln" (Funiok 2002, 51). So "verhindern" sie (oder erschweren zumindest) den Zugang zu Informationen anderer Anbieter und richten Barrieren auf.

Allerdings scheinen neuere Untersuchungen zu zeigen, dass der Zugang über Portale eher abnehmend ist. Dafür steigt die Zahl der Nutzer, die Zugang zu Informationen über Suchmaschinen finden. 74% der Onliner geben an, dass sie auf diese Weise zu Informationen im Netz kommen (van Eimeren et. al. 2004, 355). Da ist es sicher problematisch, dass Einrichtungen oder Unternehmen gegen Bezahlung einen höheren Eintrag in Suchmaschinen erhalten können und so häufiger aufgerufen werden. Allerdings verfahren die Suchmaschinen hier sehr unterschiedlich. Google z. B. hebt die Verweise zu Seiten, für deren Positionierung gezahlt worden ist, deutlich ab. Nach wie vor ist es möglich, durch Berücksichtigung relativ einfacher Regeln bei der Erstellung von Seiten eine gutes Ranking zu erhalten.[7] Dies gehört zu den Möglichkeiten und damit auch zur Selbstverantwortung der Anbieter und Programmierer mit weniger großen finanziellen Ressourcen.

Ähnliches gilt für die Frage nach kostenpflichtigen Inhalten von Websites. Soweit ich sehe, gibt es auf den Seiten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten keine kostenpflichtigen Bereiche. Umgekehrt gibt es auch im TV-Bereich kostenpflichtige Angebote, auch Zeitungen kosten Geld. Dennoch kann kein Zweifel daran bestehen, dass der kostenpflichtige Zugang zu Informationen eine Zugangsbarriere darstellt, die weniger zahlungskräftige Personen ausschließt. Allerdings nimmt die Bereitschaft derzeit wieder ab, im Internet für kostenpflichtige Inhalte zu bezahlen (van Eimeren et. al. 2004, 358). Ob dies auf Dauer die Unternehmen dazu veranlasst, Informationen verstärkt kostenfrei anzubieten, bleibt abzuwarten. Allerdings werden für sehr spezielle Informationen, die z. B. Recherchen erfordern, auch weiterhin Kosten erhoben werden und es wird auch die Bereitschaft vorhanden sein, dafür zu zahlen. Derartige Auskünfte sind aber auch in anderen Lebensbereichen nicht kostenlos.

Die kommerziellen Hindernisse im Netz beurteilen zu können, ist Aufgabe der Ethik. Diese ist aber nicht nur an den Universitäten zu leisten, sondern auch vor Ort in den Unternehmen. Funiok ist der Auffassung, dass den Medienunternehmen ohne Ethik die "Bodenhaftung fehlt. Er regt daher an, aufzuzeigen, wie Gewinnorientierung und Gemeinwohlbezug zusammengehen können und fährt fort: "Die Einflüsse und Ansprüche aller gesellschaftlichen Gruppen auf und an das Unternehmen werden schon im Vorfeld berücksichtigt, Die Unternehmung hat aus ethischer Sicht die Aufgabe, Strukturen zu schaffen, die die Grundlage für einen sinnvollen und fairen Diskurs über die verschiedenen Interessen bilden" (ders., 2002, 52). In diesen Diskurs sind auch die Kunden einzubinden. Wo solche ein Diskurs gelingt, wird die Gefahr verringert, dass sich Barrieren des Zuganges zu Informationen "nebenbei" oder unbemerkt aufrichten. Im Bereich der Medienethik wird dieser Vorgang auch unter dem Stichwort "Selbstregulation" beschrieben, auf den ich noch einmal gesondert im Abschnitt 6.2 eingehen werde.

 

4.3 Kompetenzbarrieren

Jutta Croll verweist darauf, dass in Deutschland bis heute der Fokus auf der Frage des Zugangs zum Internet liegt. In anderen Staaten liegen die Akzente anders: "In den USA galt schon in den neunziger Jahren nicht nur der Zugang zu Hard- und Software, sondern auch Training als notwendige Voraussetzung für den Weg in die Informationsgesellschaft" (Croll 2002, 85). Damit ist nicht nur die Frage nach den Barrieren gestellt, die mit mangelnder Kompetenz im Umgang mit den Medien des Internets verbunden sind, sondern zugleich die Vermutung geäußert, dass es gerade in Deutschland besondere Probleme in diesem Bereich gibt. So kommt auch die ARD-Onliner Studie zu dem Schluss: "Mehr als die Hälfte aller Internetnutzer weist ein sehr eingeschränktes Nutzungsspektrum auf, was auf mangelnde Erfahrung, aber auch auf die bewusste Distanz zu dem Medium zurückzuführen ist. Die technisch Versierten, die das Internet in seinem vollen Umfang ausnutzen, stellen innerhalb der Internetcommunity eine zwar meinungsstarke Gruppe, aber doch eine Minderheit dar" (van Eimeren et. al. 2004, 369). Konert schlägt daher vor, zwischen Defizit beim Zugang und Differenz bei den unterschiedlichen Nutzungsformen im Netz zu unterscheiden: "Eine chancengleiche Teilhabe ist somit nicht allein als abstrakte Zugangsmöglichkeit zum Internet zu verstehen, sondern als reales Nutzungspotential, bei dem das Wie der Nutzung zunehmendes Gewicht erhält" (2004, 24).

Kompetenzbarrieren gibt es durchgängig in allen Bevölkerungsgruppen. Ich möchte besonders auf die Problematik von Jugendlichen eingehen.

Formalen Zugang zum Netz haben bereits 95% der 14-19jährigen (van Eimeren

et. al. 2004, 340; ein Jahr zuvor waren es nur 87%). Der formale Zugang zum Netz ist in dieser Bevölkerungsgruppe weitgehend kein Problem[8], aber die sinnvolle Nutzung des Netzes und damit die Frage, wie ich Zugang zu den Informationen erhalte, die ich benötige. Gerade bei Jugendlichen gibt es in Teilbereichen des Kommunikationsraumes Internet einen erheblichen Anteil an Selbstsozialisation, z. B. in den Bereichen Email und Chat. Die Studie JIM 2003 verweist darauf, dass das Internet von Jugendlichen vor allem bei "schneller" Informationssuche geschätzt wird (MPFS 2003, 55). Entscheidend ist hier oft die Frage der Glaubwürdigkeit  – so genießt bei widersprüchlichen Informationen die Tageszeitung weitaus größeren Vertrauensvorschuss als das Internet (45% bzw. 15%, vgl. MPFS 2004, 9).

Hier besteht auch eine Verantwortung von Eltern und Erziehern in den Bildungseinrichtungen. Neben der Verpflichtung, sich um Schutz der Heranwachsenden vor gefährdenden Inhalten zu bemühen (vgl. unten 4.5) ist es notwendig, selbst ausreichende Nutzungskompetenz zu besitzen, um Kinder und Jugendliche angemessen begleiten zu können. Allerdings ist diese Aufgabe nicht leicht zu erfüllen, da insbesondere Jugendliche den Bereich der neuen Medien als einen Raum ansehen, in dem sie sich zum einen Erwachsenen überlegen fühlen. Zum anderen ist ihr Zugang überwiegend "spassbestimmt" (Vollbrecht 2001, 65). Hier liegt auch eine Schwierigkeit für die Schule, die Entwicklung von Mediennutzungskompetenz zu stärken bzw. zu entwickeln. Vollbrecht formuliert die zu leistende Aufgabe so: "Entscheidend ist der unterschiedliche Grundzugang zu Medien bzw. die Veränderung, die pädagogisches Denken durchmachen muss, indem es sich von dem ausschließlich auf Inhaltsvermittlung gerichteten Umgang mit Medien verabschiedet. (…) Schule muss im Kontext 'Medien' ihr Bildungsverständnis also erweitern und neben den rein kognitiven Inhalten auch affektiv besetzte Dimensionen erfassen" (ebd., 65f.). Somit eröffnet sich hier eine ganz andere Kompetenzbarriere, die auf der Seite der Lehrkräfte liegt und die nur schwer zu überwinden ist, da Jugendliche den Bereich der Medien für sich als Freiraum reklamieren und den Versuch von Lehrkräften, diesen Bereich in die Bildungseinrichtungen zu integrieren schnell als Anbiederung oder Grenzverletzung auffassen (ebd., 67). Vollbrecht selbst schlägt vor, Medienkompetenz insbesondere auch als Persönlichkeitsentwicklung zu verstehen, was die Chance beinhaltet, "dass das Medium selbst nicht mehr unbedingt im Zentrum der Überlegung stehen muss" (ebd., 78).

Die Frage nach der Kompetenzvermittlung für Jugendliche im Internet macht deutlich, dass es hier zunächst darum gehen muss, Kompetenzbarrieren auf der Seite der Lehrkräfte (und der Eltern) abzubauen, was angesichts der Schnelllebigkeit des Mediums vermutlich eine Sisyphusarbeit darstellt.

 

4.4 Glaubwürdigkeitsbarrieren

Das Internet stellt eine Fülle von Informationen zur Verfügung. Hier stellt sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Informationen. Inwiefern ist die Authentizität des Anbieters erkennbar? Wenn ich nicht weiß, ob ich einer Information bzw. einem Informanten "trauen" kann, besteht eine Glaubwürdigkeitsbarriere. Ich finde zwar die Information, weiß aber nicht, ob ich den Inhalt für den von mir gewünschtem Zweck anwenden kann. Bereits oben (4.3) wurde deutlich, dass bei widersprüchlichen Informationen selbst Jugendliche eher nicht den Informationen aus dem Internet trauen. Hier besteht die Gefahr der Manipulation für diejenigen, die bereits einen "Namen" besitzen und - wie Zeitungen oder TV-Sender - zugleich über die Ressourcen verfügen, Informationen leicht finden zu lassen (4.2).

Ich möchte das Problem der Glaubwürdigkeitsbarrieren in diesem Abschnitt aus der Perspektive der wissenschaftlichen Forschung und ihrer Zugänglichkeit im Internet beschreiben.

"In den akademischen Foren der Diskussion und des Wissens- und Informationsaustausches sind Nachprüfbarkeit, Reputation und Glaubwürdigkeit ebenso zentrale und notwendige Normen wie die Achtung der Autorenschaft und Seriosität in der wissenschaftlichen Forschung. Nur wenn diese Normen eingehalten und überprüfbar sind, kann sich das für diese Kommunikation notwendige Vertrauen einstellen" (Debatin 2002, 231). An anderer Stelle weist Debatin darauf hin, dass gerade Wissenschaftler darauf zu achten haben, dass sie "ihr symbolisches Kapital der Reputation" auch im Internet zu hegen haben (ders. 1999, 281).

Ein Vorreiter in diesem Bereich ist der Medienethiker Raphael Capurro, dessen Texte weitgehend im WWW zugänglich sind, zum großen Teil, bevor sie in Buchform veröffentlicht worden sind.[9] Die Vorteile der Publikation im Netz liegen auf der Hand:

- einfacher Zugang für alle Interessierten zu Texten (vgl. Capurro 2003c, 200) - unter der Vorraussetzung, dass die Publikationsorte im Netz nicht häufig wechseln;

- schnellere Möglichkeit der Veröffentlichung.

Die Gefahr liegt darin, dass auf diese Weise auch Texte leicht geändert werden können. Debatin beschreibt das Problem wie folgt: "Das Internet beruht auf einer geschichtslosen Selbstreferentialität: Es operiert nicht entlang der Unterscheidung frühere vs. spätere Zustände bzw. Vergangenheit/Gegenwart/
Zukunft, sondern entlang der Unterscheidung Speichern vs. Löschen. Im Gegensatz dazu ist das (noch) auf Printmedien beruhende Wissenschaftssystem immer auf historische Referenzen orientiert: Man verweist auf andere, frühere Publikationen, vergleicht sie, und erzeugt so eine zeitliche kodierte Selbstreferentialität im Hinblick auf den bisherigen Wissens- und Erkenntnisstand" (ders. 1999, 279 Anm. 16). Hausmanninger weist denn auch darauf hin, dass von Capurro aus genau diesem Grunde bislang nur die wenigen gedruckten Texte zitiert wurden (ders. bei Capurro 2003, 9)  Insofern wird man sagen müssen, dass es sich bei Buch- oder Onlinepublikation nicht um einen Gegensatz, sondern um einer Ergänzung handelt (vgl. Capurro 2003d, 136; ders. 2003c, 202).

Dies auch deswegen, weil auf Dauer gesehen die Onlineveröffentlichung keinen langfristigen Bestand hat, denn "websites sind nur so lange verfügbar, wie ihre Betreiber sie erhalten" (Hausmanninger bei Capurro 2003, 9). Gerade diese Ergänzung ist auch ein Beitrag zur Glaubwürdigkeit von wissenschaftlicher Literatur im Internet darstellen, in der Regel folgt ja die Onlineveröffentlichung auf die Publikation in einem Printmedium, so dass die Überprüfbarkeit gegeben ist, der leichtere Zugang zu wissenschaftlicher Literatur aber dennoch möglich ist. Insgesamt ist zum Abbau der Glaubwürdigkeitsbarrieren allerdings auch die Aufgabe der Entwicklung einer neuen Hermeneutik zu leisten, welche die Besonderheiten der Publikationsmöglichkeiten im Netz berücksichtigt und Kriterien für die Authentizität, Glaubwürdigkeit und Wahrung von Traditionen beinhaltet (vgl. dazu Capurro 2003a, 131)[10].

 

4.5 Aufzurichtende Schutzbarrieren

Bislang ging es um Barrieren, die Menschen aus unterschiedlichen Gründen den Zugang zum Netz bzw. den Umgang mit Teilen des Netzes erschweren oder unmöglich machen. In diesem Abschnitt möchte ich zwei Bereiche nennen, in denen es notwendig ist, dass auch die Errichtung von Zugangsbeschränkungen an manchen Stellen notwendig ist.

 

a) Jugendschutz

Es ist aus Gründen des Jugendschutzes gerechtfertigt und zu fordern, dass Seiten mit jugendgefährdenden Inhalten mit Zugangsbarrieren durch Altersnachweis und/oder Bezahlung versehen sind. Dies erwächst aus der Verantwortung für die nachwachsende Generation. Zu solchen Angeboten gehören:

- Seiten mit pornographischen Inhalten

- Seiten mit Gewaltdarstellungen, -verherrlichung und Hass

- Politischer Extremismus und Rassismus

- Religiöser Extremismus und Fanatismus

- Seiten mit "geschmacklosen" Darstellungen (Ekel, Verletzungen, Tötungen)

Diese Auflistung stammt von Peter Sleegers und Helmut Volpers, die dort auch Beispiele auflisten (2004, 53ff.).

Hier liegt eine große Aufgabe und Herausforderung für den Gesetzgeber und die Exekutive (trotz aller nationalstaatlichen Begrenzungen) in der Bekämpfung der Verbreitung und Zugänglichkeit der Seiten. Über den Stand der Dinge nach Inkrafttreten des neuen Jugendschutzgesetzes am 1. April 2003 informiert Helmut Volpers in einem Überblick und kommt zu dem Schluss, dass letztlich nur der mühsame Weg über eine internationale Koregulierung Lösungen verspricht (2004, 59).

Die Studie ARD-Online 2004 verweist zu Recht darauf, dass die Diskussion zum Jugendschutz im Netz noch in den Anfängen steht und die Arbeit, die hier zu leisten ist, einer Sisyphusarbeit gleicht (van Eimeren et. al. 2004, 356f.). Eine Möglichkeit, den Zugang für Kinder und Jugendliche zu diesen Inhalten zumindest zu erschweren, besteht in der Entwicklung und Verbreitung von Filter-Software. Davon gibt es inzwischen eine große Anzahl. Ernst Bierschenk und Helmut Volpers haben die Funktionsweise untersucht und die gängigen Filter getestet. Ihr Ergebnis ist ernüchternd. Die Software schützt zwar zumeist recht gut vor pornographischen Inhalten, versagt aber darüber hinaus im Blick auf rechtsradikale oder andere gefährdende Inhalte. Zudem beschränken sich die Programme in der Regel nur im Blick auf das WWW. Gefährdende Inhalte finden sich aber auch in Newsgroups und Tauschbörsen, teilweise auch in Chats. Ein weiteres Problem stellt die Tatsache dar, dass die besten Programme zugleich auch die teuersten sind (Bierschenk/Volpers 2004, 172). Trotz dieser Beschränkungen hat der Einsatz von solcher Filtersoftware von 10% aller Familien in 2001 auf 33% in 2004  zugenommen (van Eimeren et. al. 2004, 358).

 

b) Urheberschutz

Auch die Wirtschaft fordert immer wieder von der Politik die Einschränkung von Zugängen im Internet und zwar im Blick auf die Einhaltung von Urheberschutzrechten im Netz, insbesondere bei Musik, Videos und Software (z. B. Middelhoff, 2001, 246). Gleiches gilt aber auch für das Kopieren und unautorisierte Verwenden von Photos, Grafiken und Texten.

In der Tat besteht hier unter Online-Nutzern kaum ein Unrechtsbewusstsein. Das illegale Kopieren und Verbreiten von Musikstücken und Filmen, die Weitergabe von Software zur Nutzung auf mehreren PC´s wird weithin als Kavaliersdelikt angesehen[11].

Der Kampf gegen diese Form der Kriminalität wird auf sehr unterschiedliche Weise geführt. Musterprozesse gegen Nutzer von Tauschbörsen wie Kazaa gehören ebenso dazu wie die Entwicklung immer komplizierterer Kopierschutzmechanismen für Spiele-CD´s (teils mit der unerwünschten Nebenwirkung, dass die Spiele dann auch bei korrektem Kauf nicht auf jedem PC laufen) oder Aufklärungskampagnen in Kinos und Tageszeitungen. Genützt hat dies alles bislang nicht viel. Auch deshalb, weil hier ein kaum aufzulösender Konflikt entsteht "zwischen dem berechtigtem Bedürfnis nach Verschlüsselungstechnologien zum Schutz vor nichtautorisiertem Datenzugriff und der unberechtigten Verwendung dieser Technologien zur Verschleierung von unethischen bzw. kriminellen Handlungen" (Debatin 2002, 228).

Nicht überzeugend finde ich in diesem Zusammenhang das Argument von Thomas Middelhoff, der die Meinung vertritt, dass künftig immer weniger Menschen bereit sein werden, künstlerisch oder geistig kreativ zu arbeiten, wenn sie von ihrer Arbeit nicht mehr leben können, weil ihre Ergebnisse doch sofort gestohlen und illegal verbreitet werden (2001, 246). Hier liegt ganz sicher ein Problem, dass aber aus meiner Sicht nicht Menschen von kreativer Arbeit abhält, weil die Notwendigkeit, davon leben zu müssen, in aller Regel nicht die erste Motivation für solche Arbeit darstellt. Umgekehrt ist das Internet für "kleinere" Künstlerinnen und Künstler eine hervorragende Plattform, auf sich aufmerksam zu machen. Zudem bestehen in manchen Bereichen auch technische Möglichkeiten, Bilder und Texte vor dem Kopieren oder Herunterladen zu schützen. Diese "Hindernisse" auch zu nutzen, gehört zur Selbstverantwortlichkeit der Anbieter. Darüber hinaus existieren Initiativen zum Urheberschutz, wie z. B. die Initiative: "copyright lives!" des Verbandes der Pressebildagenturen und Bildarchive (BVPA).[12]

 

4.6 Emotionale Barrieren

Es gibt Barrieren, die auf emotionale Gründe zurückzuführen sind. Die notwenigen Ressourcen sind vorhanden (oder könnten angeschafft werden), das Know How wäre ebenfalls kein Problem und dennoch wagen sich bestimmte Gruppen von Menschen nicht ins Netz oder es bestehen an bestimmten Stellen Ängste, Möglichkeiten des Internets zu nutzen. Dies möchte ich an zwei Beispielen verdeutlichen.

 

a) Beispiel 1: Onlinebanking und Einkauf über das Netz

"Datensicherung und Datenschutz (…) sind Themen, bei denen sowohl die Onliner wie die Offliner erhebliche Bedenken äußern. Das Verhalten der Anbieter ist hierbei von erheblicher Bedeutung für die Entwicklung einer Vertrauensbildung in der Bevölkerung" (Gehrke 2004, 41).

Nach wie vor haben viele Menschen Angst, Bankgeschäfte über das Internet abzuwickeln. Sicherheitsbedenken und die Unpersönlichkeit der Abwicklung werden hier immer wieder als Gründe genannt. Berichte über Passwortdiebstahl und andere kriminelle Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Online-Banking verstärken die Angst und das Misstrauen. Die Zahl der Menschen steigt, die Online-Banking nutzen, und bei denen, die ihre Bankgeschäfte über des Internet abwickeln, sinken die Sicherheitsbedenken (vgl. Jung  2004).

Ohne Vertrauen in die Technik als "Medium" und die Bank auf der anderen Seite kann Online-Banking nicht funktionieren. Da die Ausbreitung von Online-Banking für die Banken ein erheblicher Kostenfaktor darstellt, sind sie ihrerseits sehr daran interessiert, Sicherheitsstandards zu entwickeln, die geeignet sind, Vertrauen in diese Form von Bankgeschäften aufzubauen. Der Bankenverband hat dazu eine Broschüre veröffentlicht, in der die Sicherheitssysteme beschrieben werden. Es wird aber auch darauf hingewiesen: "Auf die von den Kunden der Banken eingesetzten Systeme haben die Banken in der Regel keinen Einfluss. Bankkunden können die Systeme, die sie für da Online Banking einsetzen, frei wählen. Außerdem werden diese Systeme – beispielsweise ein an das Internet angeschlossener PC – in der Regel auf für viele andere Anwendungen genützt. (…) Damit die von den Banken vorgesehenen Sicherheitsvorkehrungen aber nicht durch unberechtigte Manipulationen unterlaufen werden können, müssen deshalb auch Ihrerseits Vorkehrungen zum Schutz der von Ihnen eingesetzten Systeme getroffen werden" (BdB 2004).

Gleiches gilt für den Zahlungsverkehr mit Kreditkarten bei Onlinegeschäften. Hier sind in den letzten Jahren Verbesserungen auch in rechtlicher Hinsicht erfolgt, die das Ziel verfolgten, den Handel im Internet sicherer zu machen und so Vertrauen aufzubauen, um Barrieren abzubauen. Allerdings klaffen Selbsteinschätzung von Händlern und Kundenäußerungen noch weit auseinander. Die Studie "eCommerce 2004" zeigt auf, dass zwar 61,4% der Händler glauben, dass ihre Kunden keine Sicherheitsbedenken beim Einkauf in ihrem Shop haben, hohe Abbrecherquoten und entsprechende Kundenäußerungen aber einen anderen Schluss nahe legen: "Obwohl die Bedenken mit steigender Interneterfahrung abnehmen, sind selbst erfahrene Shopper nicht frei von Ängsten. Große Shops und bekannte Marken profitieren hiervon. Sie erhalten von den Kunden von Anfang an einen Vertrauensvorschuss, den kleine Shops selbst durch die besten Sicherheitsmaßnahmen nur schwer ausgleichen können. Die Befragung zeigt, wie wichtig es für Händler ist, Vertrauen aufzubauen und dem Kunden höchstmögliche Sicherheit zu vermitteln. Technische Maßnahmen alleine scheinen zu kurz zu greifen. Erfolg verspricht eine Mischung aus kundenfreundlichen Bezahlverfahren, Imagekommunikation, einer vertrauensbildenden Vermittlung der Sicherheitsmaßnahmen sowie einem guten Kundenservice" (Europressedienst 2004, 76). Vertrauensverlust bedeutet für ein Wirtschaftsunternehmen immer, Geld zu verlieren (vgl. Funiok 2003, 51), von daher erstaunt die Fehleinschätzung der Unternehmen.

b) Beispiel 2: Skepsis der Älteren ("Was nützt mir das?")

Von der Gruppe der Älteren über 60 haben bislang nur 12,8% Zugang zum Internet gefunden. Diese Zahl stagniert auf dieser Höhe (van Eimeren et. al. 2004, 352). Gehrke verweist darauf, dass der Faktor: "Ich sehe keinen persönlichen Nutzen für mich" die höchste Zustimmung bei allen Offlinern erhält, die Frage der Kosten steht an zweiter Stelle (2004, 35). Mit steigendem Alter aber nimmt die Einschätzung, dass das Internet für mich keinen Nutzen hat, stetig zu, während zugleich die Frage nach den Kosten in der Gewichtung stetig sinkt. Bereits oben (4.1) habe ich im Blick auf die Einkommensverhältnisse vermutet, dass die niedrige Quote der Onliner in der älteren Bevölkerung nicht in erster Linie mit Kostengründen zusammen hängt. Es sind vielmehr Vorurteile, die eine Rolle spielen. Zu diesem Schluss kommt auch die ARD/ZDF-Offliner Studie: Es existiert "eine nach wie vor starke Zuschreibung negativ besetzter Bilder. Diese Vorbehalte haben sich trotz hoher Akzeptanz des Internets in den letzten Jahren sich abgebaut, sondern eher verstärkt" (Gerhards et. al. 385).

Im Blick auf die Kosten werden z. B. die Anschaffungskosten viel zu hoch eingeschätzt (Gerhards et. al. 2004, 380). Weiter gilt: "In dieser Gruppe (der Älteren, M.J.) gibt es nur äußerst schwache Interessenpotenziale für die Angebotsvielfalt des Internets. (…) Durch Unerfahrenheit und eine mangelnde Vorstellungskraft werden die auch für Ältere attraktiven Mehrwerte des Internets häufig nicht gesehen" (ebd., 382). Ein wesentlicher Faktor stellt hier - nicht nur für Ältere - der Primärkontakt dar, der Interesse und erstes (Selbst-)Vertrauen weckt (vgl. Gehrke 2004, 39). Zudem spielen Netzwerkeffekte eine wichtige Rolle: "Planer, also jene, die von sich selbst sagen, sie würden in den kommenden zwölf Monaten ganz sicher online gehen, begründen ihre Entscheidung zum einen damit, dass sie inzwischen einen persönlichen Nutzen für sich erkennen. Zum anderen weisen sie aber darauf hin, dass Menschen in der unmittelbaren Umgebung ebenfalls online gehen" (ebd., 39). Gerhards et. al. sprechen hier von einem steigenden sozialen Anpassungsdruck, gerade auch in der Gruppe der älteren Offliner (2004, 379).

Es sind also überwiegend emotionale Gründe, die ältere Menschen vom Einstieg ins Netz fernhalten. Dazu zählen auch Aspekte, die mit gesundheitlichen Veränderungen zu tun haben, z. B. Verschlechterung der Sehfähigkeit, Nachlassen der Wahrnehmungsflexibilität (vgl. Braatz 2004). Inzwischen gibt es zahlreiche Aktionen von Volkshochschulen, Büchereien, oder auch kirchlicher und öffentlicher Seniorenarbeit, die Schnupperkurse für Senioren anbieten. Vielfach wird von Senioren auch der Wunsch nach einfach zu bedienenden PC´s ausgesprochen, die ausschließlich auf Internetnutzung und einfache Office-Programme ausgerichtet sind, weil sie sich von der Vielfalt der Möglichkeiten der modernen Technik überfordert fühlen. Die Industrie ist diesem Wunsch bislang nicht nachgekommen (vgl. Stiller 2004).

 

5  Kritik der Barrierekategorien unter Hinzunahme medienethischer Überlegungen

In der bisherigen Darstellung ausgewählter Beispiele für Zugangsbarrieren wurde das vorausgesetzt, dass der Zugang (bzw. die Verhinderung an bestimmten Stellen) grundsätzlich wünschenswert ist. Dies soll nun ausgehend vom Menschenrecht auf Kommunikation medienethisch begründet werden (5.1). Anschließend möchte ich zwei Begriffe etwas näher betrachten, die in der Diskussion der einzelnen Barrieren immer wieder auftauchten: Vertrauen und Verantwortung. Sie scheinen mir geeignet zu sein, aus medienethischer Sicht Beurteilungskriterien für die komplexen Problematiken im Bereich der Zugangsbarrieren zum und im Internet zu sein (5.2). Anschließend möchte ich mit Hilfe dieser Kriterien  zu zwei Aspekten eigene Überlegungen anstellen (5.3).

5.1 Das Menschenrecht auf Kommunikation

Es gibt sehr unterschiedliche Ansätze ethischer Urteilsbegründung. Mich überzeugt die Argumentation von Rupert Scheule im Anschluss an Martha Nussbaum, weil hier der Versuch unternommen wird, einen ethischen Ansatz zu entwickeln, der in der Tendenz geeignet ist, auch interkulturelle und globale Problemstellungen aufzugreifen.

Nussbaum fragt nach Merkmalen, an denen Menschen sich gegenseitig als Menschen erkennen und kommt so zu  Grunderfahrungen wie Sterblichkeit, Körperlichkeit, Emotionalität und Sexualität. Aus diesen Grunderfahrungen leitet sie nach Scheule dann "einen offenen Katalog von Grundfähigkeiten ab, die man haben muss, um seine Erkennbarkeit als Mensch zu wahren" (Scheule 2003, 78). Diese könnten dann ein Konzept des "schönen" oder "guten" und damit wünschenswerten Lebens darstellen. Scheule erweitert dieses Konzept um eine Universalisierungsregel, indem er – vermittelt durch die neuen Medienmöglichkeiten – diese Frage nach der Erkennbarkeit des Menschen prinzipiell zu einem weltweiten öffentlichen Projekt machen möchte. Dabei widerspricht er dem möglichen Einwand, hier ginge es um einen Anti-Nominalismus, "der nur das schützenswert an mir hält, was ich mit anderen teile, also gerade nicht das, was mich als individuellen Menschen auszeichnet" (ebd. 2003, 80). Denn gerade die Universalisierungsregel zwingt mich dazu, dem anderen Menschen die gleiche Individualität zuzubilligen, in der ich als ebenso unvergleichlicher Mensch erkannt werden will.

Als eine Grundfähigkeit des Menschen kann die Kommunikationsfähigkeit bezeichnet werden. Hieraus ergibt sich umgekehrt ein Menschenrecht auf Kommunikation (Capurro et. al. 2002). Näher bestimmt Capurro dieses als

- Recht auf Chancengleichheit

- Recht auf freie Meinungsäußerung

- Recht auf Beteiligung am kulturellen Leben

- Recht auf Schutz der Privatheit und des Schutzes der materiellen und geistigen Arbeit (Capurro 2003b, 84).

Das Internet ist ein Kommunikationsraum, in welchem Menschen auf unterschiedliche Weise kommunizieren. Aus ethischer Sicht ist also zu fragen, inwieweit das Menschenrecht auf Kommunikation im Internet für alle Menschen (Universalisierungsregel) in der Näherbestimmung der von Capurro genannten Aspekte gewährleistet ist. Denn "die Rolle der Ethik ist es, mit dem Verweis auf die Grundbedingungen des Humanen (…) darauf zu insistieren, dass diese Chancen auch wirklich genutzt und Gefahren minimiert werden" (Funiok 2002, 41).

5.2. Vertrauen und Verantwortung als Beurteilungskriterien

Ich möchte ausgehend vom Menschenrecht auf Kommunikation die Kriterien Vertrauen und Verantwortung nennen, die für die Beurteilung von Zugangsbarrieren zum und im Internet geeignet sind. Beide Begriffe sind bei der Beschreibung der Barrieren immer wieder aufgetaucht.

a) Vertrauen

Den Begriff des Vertrauens bringt im Zusammenhang mit dem Stichwort Kommunikation systematisch Debatin ein. Sein Ausgangsgedanke lautet: "Wer ernsthaft und mit dem Ziel einer Verständigung in eine Kommunikation eintritt, kommt nicht umhin, dem Kommunikationspartner die gleichen Rechte einzuräumen, die er oder sie selbst beansprucht. In diesem Sinne können die Regulative gleicher Kommunikationschancen und gegenseitiger Anerkennung, oder allgemeiner: der Gerechtigkeit und der Achtung (Hervorhebung im Original, M.J.) aus der kommunikativen Alltagspraxis abgeleitet werden" (Debatin, 2002, 229). Den Begriff des Vertrauens nennt er zwar an dieser Stelle nicht ausdrücklich, aber im weiteren Verlauf wird deutlich, dass dies für ihn zu gelingender Kommunikation dazu gehört. Er schreibt zum Bereich der wissenschaftlichen Kommunikation im Netz:  "In den akademischen Foren der Diskussion und des Wissens- und Informationsaustausches sind Nachprüfbarkeit, Reputation und Glaubwürdigkeit ebenso zentrale und notwendige Normen wie die Achtung der Autorenschaft und Seriosität in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Nur wenn diese Normen eingehalten und überprüfbar sind, kann sich das für diese Kommunikation notwendige Vertrauen einstellen" (2002, 231). Da er wiederum etwas weiter schreibt: "Vertrauen ist auch im Handlungsbereich wirtschaftlicher Kommunikation eine notwendige Bedingung für das Gelingen der über das Internet abwickelbaren Kaufhandlungen" (2002, 232), wird deutlich, dass der Begriff des Vertrauens für ihn das maßgebliche Kriterium für gelingende Kommunikation überhaupt zu sein scheint.

Nun ist gerade das Internet  ein Kommunikationsraum mit besonderen Bedingungen, da durch die mögliche Anonymität und den Abstand der Kommunikationspartner Vertrauen schwerer zu entwickeln ist als in face-to-face Kommunikationsstrukturen. Unter Vertrauen verstehe ich im zwischenmenschlichen Bereich zum einen das Gefühl, das ich in meiner Würde geachtet und respektiert werde und zum anderen die Bereitschaft, den anderen ebenso zu achten und respektieren. Vertrauen ist aber auch über die individuelle Kommunikation hinaus von großer Bedeutung:  "Je mehr Menschen in ihrer individuellen Lebensführung abhängig werden von Systemen, die sie durch eigenes Handeln kaum noch beeinflussen können, um so mehr müssen sie darauf vertrauen, dass das Ganze des Systems in Ordnung ist" (DB/EKD 1997, 54).

b) Verantwortung

Die von Scheule genannten ethischen Grundregeln der Universalisierung und der Achtung entsprechen der  "Goldenen Regel", von der Thomas Hausmanniger sagt, dass diese praktisch in allen Hochkulturen verankert ist (2000). Die Anwendung dieser Regel beruht auf der Überzeugung, dass der Mensch ein mit Freiheit und Vernunft begabtes Wesen ist. Freiheit aber impliziert immer auch die Möglichkeit zum Missbrauch der Freiheit, zu unmoralischem Verhalten. Die evangelische und die katholische Kirche bringen in diesem Zusammenhang den Begriff der Verantwortung ein und binden ihn zugleich an die Würde des Menschen: "Als verantwortlich lässt sich jener Gebrauch der Freiheit bezeichnen, der die Voraussetzungen eine Lebens in Freiheit für alle Menschen nicht zerstört, sondern stärkt und zudem die eigenen Begabungen entfaltet sowie im Prozess der Kommunikation die Würde des anderen wahrt" (ZB/EKD 1997, 53).

Verantwortung ist ein Begriff, der in der medienethischen Diskussion immer wieder auftaucht. Für Rüdiger Funiok liegt der Grund dafür in der Beobachtung, dass dieser Begriff in der heutigen Alltagssprache eher ethische Anliegen zur Geltung bringt als "ältere" Begriff wie Pflicht, Gewissen oder Tugend (ders. 2002, 43). Funiok nennt daher Verantwortung eine "ethische Schlüsselkategorie und entwickelt sechs zu berücksichtigende Teilfragen:

1. Wer trägt Verantwortung?

2. Was ist zu verantworten?

3. Wofür trägt der oder die Handelnde Verantwortung?

4. Wem gegenüber muss er oder sie sich verantworten?

5. Vor welcher Instanz (Gewissen, Öffentlichkeit) muss er oder sie sich verantworten?

6. Weswegen muss man sich verantworten? (2002, 43f.)

Darüber hinaus unterscheidet Funiok an anderer Stelle drei Ebenen: Verantwortung im staatsbürgerlichen Sinn, Verantwortung für sich selbst und Verantwortung für Heranwachsende (bei Greis 2001, 22).

Zusammenfassend möchte ich so formulieren:

Vertrauen ist eher ein Beurteilungskriterium für die Binnenstrukturen im Internet, hier liegt der Fokus auf den inneren Aspekten der Kommunikation zwischen Menschen;

Verantwortung ist dagegen eher ein Beurteilungskriterium für die Makrostruktur des Internets, hier liegt der Fokus auf den Strukturen und den dahinter stehenden Handlungsträgern mit ihren jeweiligen Interessen.

Dabei lassen sich die beiden Kriterien nicht voneinander trennen, verantwortlich gestaltete Strukturen erleichtert Vertrauen und Vertrauen erleichtert das gemeinsame Entwickeln und Gestalten von  Strukturen. Es geht lediglich um den Blickwinkel, der die Beurteilung von Barrieren erleichtern soll. So kann die medienethische Betrachtung ihren Funktionen Steuerung und Reflexion gerecht werden: "Steuerung soll integrieren, motivieren und legitimieren, Reflexion soll unter ethischer Perspektive kritisch reflektieren und medienethische Prinzipien begründen" (so Greis 2001, 28 im Anschluss an Debatin).

5.3. Kritische Überlegungen zu einzelnen Kategorien

An zwei Beispielen möchte ich eigene Positionen darstellen. Das erste Beispiel gehört eher in den Bereich "Steuerung", das zweite in den Bereich "Reflexion". Insbesondere im zweiten Beispiel wird dabei auch deutlich, dass eine isolierte Betrachtung der einzelnen Barrierekategorien nicht zielführend ist.

5.3.1 "Grundversorgungsauftrag" und Internetzugang?

Das erste Beispiel ist im Bereich der sozialen Barrieren angesiedelt.

Aus sozialpolitischer Perspektive möchte ich folgende Argumentation zur Diskussion stellen: Wenn Zugang zum und Grundkenntnisse im Internet sich mehr und mehr zu einer Kulturtechnik entwickeln, dann stellt sich die Frage, ob es nicht sozialpolitisch zu fordern wäre, dass der Internetzugang Sozialhilfeempfängern gewährt werden müsste, genauso wie sie von den Gebühren für TV und Radio befreit sind. Die Begründung hierfür liegt nicht nur in der ethischen Grundlegung dieser Forderung aus dem Menschenrecht auf Information und Kommunikation, sondern auch im gesellschaftlichen Konsens, der sich politisch umgesetzt hat und auch vom Bundesverfassungsgericht bestätigt wurde, dass der Mensch in unserer Gesellschaft ein Grundrecht auf Information hat, zu dem TV und Radio gehören ("Grundversorgungsauftrag"[13] des öffentlich-rechtlichen Rundfunks). Daraus ist die Verpflichtung erwachsen, Sozialhilfeempfängern Radio und TV-Gerät zur Verfügung zu stellen. Es wäre also zu fragen, ob es nicht zur Verantwortung des Staates gehört, aufgrund des rasanten Wandel, der sich mit dem Internet und seinen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten vollzieht, allen Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zum Internet von zuhause aus zu ermöglichen. Eine Lösung könnte darin bestehen, die Hardware zur Verfügung zu stellen und bei den Providergebühren ähnlich wie derzeit bei den Telefonanschlüssen einen Nachlass zu gewähren.[14] Allerdings beginnt angesichts des rasenden technischen Fortschrittes (vgl. oben S. 10) die Diskussion dann von neuem bei der Frage, was zu einer "angemessene" Hardware-Grundausstattung gehört.

5.3.2 Selbstregulierung im Internet?

Das zweite Beispiel besitzt Berührungspunkte mit verschiedenen Kategorien: es klingen Aspekte an, die oben unter kommerziellen Hindernissen, aber auch unter Glaubwürdigkeitsbarrieren und emotionalen Barrieren besprochen wurden.

"Eine zentrale Herausforderung für die Eigenverantwortung der privaten und öffentlichen Anbieter im Internet liegt in der Etablierung vertrauenswürdiger Instanzen für die Vermittlung von Inhalten. Für die Anbieter ist es notwendig, dass (…) glaubwürdige Selbstverpflichtungen geschaffen werden, die darauf zielen, bestimmte Kriterien der Vertrauenswürdigkeit einzuhalten (…). Die Schaffung solcher Orientierungsmöglichkeiten für vertrauenswürdige Informationen sind von zentraler Bedeutung, da die gesellschaftlichen Einschätzungen und Vorbehalte zur Internetnutzung das Klima für die weitere Verbreitung und Nutzung in der Bevölkerung prägen" (Gehrke 2004, 41). Damit ist die Frage nach der Selbstregulierung gut umrissen. Die Aufgabe wird auch in den Medienunternehmen selbst gesehen.

So formuliert Thomas Middelhoff, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG sehr pointiert: "Der einzige medienethische Ort in Zeiten der Globalisierung ist das Medienunternehmen selbst" (2001, 245). Ausgangspunkt seiner These ist die Beobachtung, dass das Internet mit nationalstaatlicher Politik nicht zu kontrollieren ist. Zugleich aber betont er auch, dass Unternehmen der Medienbranche zukünftig Kunden verlieren werden, wenn sie nicht auf Moral achten (ebd. 2001, 255). Daher plädiert er für medienethische Selbstkontrolle der global agierenden Unternehmen (ebd. 2001, 254).

Die Forderung nach Selbstkontrolle und Selbstregulierung wird nicht nur von Ökonomen wie Middelhoff gestellt, auch ein Medienethiker wie Debatin sieht hier eine Chance, Verantwortung innerhalb des Internets zu übernehmen. Er kommt zu dieser Überzeugung von der Beobachtung her, dass an vielen Stellen im Netz Formen von moralischer Selbstregulation entstanden sind (z. B. Netiquette), die aber schwach sind, da sie kaum Sanktionsmöglichkeiten beinhalten (2003, 234). Dennoch setzt er auf diese Form, da so Bereiche mit ethischer Verantwortungsübernahme erreicht werden, die sich anderen Steuerungsformen entziehen. Allerdings gibt er einem "Vertrauen in einen ungeregelten Wirtschaftliberalismus" im Internet eine klare Absage und fordert einen ethisch orientierten öffentlichen Diskurs "über den Marktmechanismus und dessen Einfluss und Auswirkungen auf das Internet" (ebd. 2003, 234).

Selbstregulation bedeutet das Nachdenken über die Frage, welche Barrieren im Netz "freiwillig" errichtet werden. Die Frage bleibt aber, unter welchen Kriterien hier von der Wirtschaft entschieden wird: unter ethischen oder unter ökonomischen Gesichtspunkten. Konkret wird die Frage im Konflikt, welche der Kriterien dann den Ausschlag gibt. Middelhoff bleibt hier eine klare Antwort schuldig, verweist nur darauf, dass die besonderen Handlungsbedingungen der Wirtschaft berücksichtigt werden müssen (2003, 238). Capurro formuliert die gestellte Aufgabe aus ethischer Perspektive deutlich: "Selbstkontrolle sollte als ein Aufruf zur sozialen Wachsamkeit auf der Grundlage einer immer neu zu übenden Sensibilisierung für Situationen der offenen oder verdeckten Ungerechtigkeit oder gar Ausbeutung verstanden werden. Offene ethische Diskurse schließen vielfältige Aktivitäten im rechtlichen und technischen Bereich auf nationaler und internationaler Ebene ein. Die Bewältigung von Komplexität in diesem Bereich kann man nicht billiger haben als durch situationsbezogene Abwägungen und Handlungen bei gleichzeitigem Freilassen und Fördern von nicht-vorhersehbaren Synergieeffekten. Das ergibt ein Wechselspiel zwischen kontingenten (rechtlichen und/oder moralischen) Konsenslösungen und Achtung der kulturellen, ökonomischen und politischen Differenzen" (2003b, 88).  

Damit wird noch einmal darauf hingewiesen, dass es im Rahmen der medienethischen Reflexion darauf ankommt, den eigenen Standort mit im Blick zu haben und dann mit Hilfe der Beurteilungskriterien Verantwortung und Vertrauen zu fragen:

- Wer übernimmt bei Selbstregulation für wen und warum Verantwortung?

- Inwieweit ist Selbstregulation im Internet geeignet, Vertrauen aufzubauen unter den Kommunikationspartnern?

Unbezweifelbar existiert und funktioniert Selbstregulation an vielen Stellen im Netz, z. B. im Bereich des Chats im Blick auf die Netiquette, die ich einhalten muss, um als Kommunikationspartner akzeptiert zu werden. Auf der anderen Seite ist aber darauf hinzuweisen und zu achten, dass hinter der Forderung nach Selbstregulation im Internet auch Interessen verborgen sein können, die eher der "freien" Kommunikation im Netz abträglich sind und so Barrieren darstellen oder fördern.

 

6 Literatur

 

Bundesverband deutscher Banken (BdB) 2004: Online-Banking-Sicherheit. Informationen für Online-Banking-Nutzer; Online: http://www.bdb.de/pic/artikelpic/072004/0407_Online_Sicherheit.pdf (30.12.2004)

Bierschenk, Ernst/Volpers, Helmut 2004: Funktionsweise und Praxistest von Filtersoftware für jugendmedienschutzrelevante Angebote im Internet; in: Volpers, Helmut (Hrsg.): Funktionsweise des Internets und sein Gefährdungspotential für Kinder und Jugendliche. Ein Handbuch zur Medienkompetenzvermittlung (Schriftenreihe der NLM Band 17). Berlin: Vistas, S. 141-179

Braatz, Edwin E. 2004: Webseiten für die Zielgruppe 50plus; Online: http://www.digitale-chancen.de/content/stories/index.cfm/key.1615/secid.14/secid2.86 (30.12.2004)

Capurro, Rafael (2003a): Ansätze zur Begründung einer Netzethik, in: ders.: Ethik im Netz (schriftenreihe Medienethik Band 2). Wiesbaden: Franz Steiner, 123-134

Capurro, Rafael (2003b): Das Internet und die Grenzen der Ethik, in: ders.: Ethik im Netz (schriftenreihe Medienethik Band 2). Wiesbaden: Franz Steiner, 76-89

Capurro, Rafael (2003c): Ethics and Information in the Digital Age, in: ders.: Ethik im Netz (schriftenreihe Medienethik Band 2). Wiesbaden: Franz Steiner, 198-205

Capurro, Rafael (2003d): Ethik im Cyberspace, in: ders.: Ethik im Netz (schriftenreihe Medienethik Band 2). Wiesbaden: Franz Steiner, 135-141

Capurro, Rafael (2003e): Mediale (R-)Evolutionen, in: ders.: Ethik im Netz (schriftenreihe Medienethik Band 2). Wiesbaden: Franz Steiner, 182-197

Capurro, Rafael/Hausmanninger, Thomas/Scheule, Rupert M. (2002): Vernetzt gespalten. Ein Trialog; in: Capurro, Rafael/Hausmanninger, Thomas (Hrsg.): Vernetzt gespalten. Der Digital Divide in ethischer Perspektive (Schriftenreihe des ICIE Band 3). München: Fink, S. 15-34. Zitiert nach der Internetfassung: http://www.capurro.de/vernetztgespalten.html (16.11.04)

Croll, Jutta 2004: Internet für alle – Mission erfüllt?; in: Gehrke, Gernot: Digitale Teilung – Digitale Integration. Perspektiven der Internetnutzung. München: kopaed, S. 85-92

Debatin, Bernhard 1999: Ethik und Internet. Zur normativen Problematik von Online-Kommunikation. In: Funiok, Rüdiger/Schmälzle, Udo F./Werth, Christoph H. (Hrsg.): Handbuch Medienethik. Medienethik – die Frage der Verantwortung. Bonn: Bundeszentrale für Politische Bildung, S. 274-293

Debatin, Bernhard 2002: "Digital Divide" und "Digital Content": Grundlagen der Internetethik; in: Karmasin, Matthias (Hrsg.): Medien und Ethik. Stuttgart: Reclam, S. 220-237

Deutsche Bischofskonferenz/Evangelische Kirche in Deutschland (Hrsg.) 1997: Chancen und Risiken der Mediengesellschaft (Gemeinsame Texte 10), Hannover: Kirchenamt der EKD/Bonn: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (zitiert als: DB/EKD 1997)

Eggeling, Thorsten 2004: Tausch-Rausch. Illegal im Untergrund; in: PC-Welt 12/2004, S. 58-66

Europressedienst (Hrsg.) 2004: eCommerce 2004. Strukturen und Potentiale des eCommerce in Deutschland aus Kunden und Händlersicht (Untersuchung im Auftrag der Postbank);  Online: http://www.postbank.de/Datei/fk_ecommerce_studie,0.pdf (22.12.2004)

Funiok, Rüdiger 2002: Medienethik: Trotz Stolpersteinen ist der Wertediskurs über Medien unverzichtbar; in: Karmasin, Matthias (Hrsg.): Medien und Ethik. Stuttgart: Reclam, S. 37-58

Gehrke, Gernot 2004: Zwischen Teilung und Integration. Welche Faktoren sind entscheidend, welche Strategien versprechen Erfolg?; in: ders.: Digitale Teilung – Digitale Integration. Perspektiven der Internetnutzung. München: kopaed, S. 31-44

Gerhards, Maria/Mende, Annette 2004: Offliner 2004: Anpassungsdruck steigt, Zugangsbarrieren bleiben bestehen?; in: mediaperspektiven 8/2004, S. 371-385

Greis, Andreas 2001: Identität, Authentizität und Verantwortung. Die ethischen Herausforderungen der Kommunikation im Internet (kopaed Medienethik Band 2). München: kopaed

Hausmanninger, Thomas 2000: Was ist Ethik?; Online: http://www.kthf.uni-augsburg.de/lehrstuehle/sozethik/online_b/ethik.shtml (16.11.04)

Jung, Christian 2004: Internet und Online Banking: Warum 'Offliner' Offliner sind; Online:  http://www.die-bank.de/index.asp?issue=042004&channel=151010&art=317 (19.11.2004)

Konert, Bertram 2004: Deutschland und die digitale Welt: Faktoren der Teilung – Faktoren der Integration; in: Gehrke, Gernot: Digitale Teilung – Digitale Integration. Perspektiven der Internetnutzung. München: kopaed, S. 15-30

Krainer, Larissa 2002: Medienethik als angewandte Ethik: Zur Organisation ethischer Entscheidungsprozesse; in: Karmasin, Matthias (Hrsg.): Medien und Ethik. Stuttgart: Reclam, S. 156-174

Middelhoff, Thomas 2001: Gewinnerwartung und Medienethik; in: Drägert, Christian/Schneider, Nikolaus: Medienethik. Freiheit und Verantwortung (Festschrift für Manfred Kock). Stuttgart: Kreuz, S. 233-256

Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Nordrhein-Westfalen (MGSFF) 2004: Sozialbericht NRW 2004. Armuts- und Reichtumsbericht; Online: http://www.mgsff.nrw.de/medien/download/broschueren/material/sozialbericht-2004.pdf (22.12.2004)

MPFS 2003: JIM 2003 (Jugend – Information – Multimedia), hrsg. vom MPFS (Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest). Online: http://www.mpfs.de/studien/jim/jim03.html (28.12.2004)

MPFS 2004: JIM Studie 2004 (Jugend - Information – Multimedia), hrsg. vom MPFS (Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest). Online: http://www.mpfs.de/studien/jim/jim04.html (28.12.2004)

Nolda, Sigrid 2002: Pädagogik und Medien. Stuttgart: Kohlhammer

Scheule Rupert M. 2003: Politische Ethik: Noopolitik im "Empire". Politisches Handeln und politische Legitimität im Informationszeitalter; in: Hausmanninger, Thomas (Hrsg.): Handeln im Netz. Bereichsethiken und Jugendschutz im Internet (Schriftenreihe des ICIE Band 2). München: Fink, S. 59-82

Schryen, Guido 2004: Neulich am Hot Spot – Bringt mobiles Internet die Menschen ins Netz?; in: Gehrke, Gernot: Digitale Teilung – Digitale Integration. Perspektiven der Internetnutzung. München: kopaed, S. 45-52

Schwarze, Barbara 2003: Internetnutzung von Frauen und Männern in Deutschland 2003. Gender-Mainstreaming-Sonderauswertung des (N)ON-LINER Atlas 2003. Bielefeld: Frauen geben Technik neue Impulse e.V.; Online: http://www.frauen-technik-impulse.de/var/storage/original/application/phppGFm7Z.pdf (25.11.04)

Sleegers, Peter/Volpers, Helmut 2004: Jugendgefährdende Angebote und Kommunikationsformen im Internet – Dokumentation und Analyse; in: Volpers, Helmut (Hrsg.): Funktionsweise des Internets und sein Gefährdungspotential für Kinder und Jugendliche. Ein Handbuch zur Medienkompetenzvermittlung (Schriftenreihe der NLM Band 17). Berlin: Vistas, S. 53-105

Stiller, Ricarda 2004: Wie Senioren der Weg ins weltweite Netz geebnet wird; in: Stuttgarter Zeitung Nr. 226 vom 29.09.04, S. 10; Online: http://www.digitale-chancen.de/content/stories/index.cfm/key.1819/secid.14/secid2.86 (30.12.04)

van Eimeren, Birgit /Gerhard, Heinz/Frees, Beate 2003: ARD/ZDF-Online-Studie 2003. Internetverbreitung in Deutschland: Unerwartet hoher Zuwachs; in: mediaperspektiven 8/2003, S. 338-358

van Eimeren, Birgit van/Gerhard, Heinz/Frees, Beate 2004: ARD/ZDF-Online-Studie 2004. Internetverbreitung in Deutschland: Potenzial vorerst ausgeschöpft?; in: mediaperspektiven 8/2004, S. 350-370

Vogelgesang, Waldemar 2003: Jugend und Internet: Zwischen differentieller Nutzung und digital divide; in: Hausmanninger, Thomas/Capurro, Rafael (Hrsg.): Handeln im Netz – Bereichsethiken und Jugendschutz im Internet. München: Fink, S. 151-179.

Vollbrecht, Ralf 2001: Einführung in die Medienpädagogik. Weinheim und Basel: Beltz

Volpers, Helmut 2004: Hase und Igel im Cyberspace – Jugendmedienschutz im Internet und seine Grenzen(losigkeit); in: ders. (Hrsg.): Funktionsweise des Internets und sein Gefährdungspotential für Kinder und Jugendliche. Ein Handbuch zur Medienkompetenzvermittlung (Schriftenreihe der NLM Band 17). Berlin: Vistas, S. 53-60