"Geld oder Liebe?"
Die Salbung durch eine Sünderin und der Verrat des Judas
Als aber Jesus in Bethanien war, im Hause Simons, des Aussätzigen, kam eine Frau zu ihm, die ein Alabasterfläschchen mit sehr kostbarem Salböl hatte, und goß es aus auf sein Haupt, als er zu Tisch lag. Als aber die Jünger es sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Wozu diese Verschwendung? Denn dies hätte teuer verkauft und der Erlös den Armen gegeben werden können. Als aber Jesus es erkannte, sprach er zu ihnen: Was macht ihr der Frau Mühe? Sie hat doch ein gutes Werk an mir getan; denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit. Denn als sie dieses Salböl über meinen Leib goß, tat sie es zu meinem Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo dieses Evangelium gepredigt werden wird in der ganzen Welt, wird auch von dem geredet werden, was sie getan hat, zu ihrem Gedächtnis.
Dann ging einer von den Zwölfen, Judas Iskariot mit Namen, zu den Hohenpriestern und sprach: Was wollt ihr mir geben, und ich werde ihn euch überliefern? Sie aber setzten ihm dreißig Silberlinge fest. Und von da an suchte er Gelegenheit, ihn zu überliefern.
Geld oder Liebe? - kennen Sie die Fernsehshow mit Jürgen von der Lippe, die so heißt? Drei weibliche und drei männliche Singles stehen im Mittelpunkt. Mit jeweils wechseln den Partnern machen sie paarweise nette Spielchen. die Punkte sind zugleich Geld, welches am Ende gewonnen werden kann. Am Ende wählt der Zuschauer per Telefon "sein" Traumpaar des Abends. Der Clou bei der Geschichte ist, daß die sechs Singles vorher entscheiden müssen, ob sie sich der Wahl des Publikums stellen: Geld oder Liebe heißt die frage - nehme ich mit, was ich bisher "erarbeitet" habe oder stelle ich mich der Abstimmung? Dann kann ich viel Geld gewinnen, wenn ich der Traummann oder die Traumfrau bin - andernfalls gehe ich leer aus...
Geld oder Liebe - im Fernsehen ein schönes Spielchen, hier am Anfang der Passionsgeschichte Ernst. Geld oder Liebe - darum geht es hier.
Die Frau gibt einen ganzen Jahresverdienst aus. die Jünger sind über diese Verschwendung entsetzt. Judas verrät Jesus an die Hohenpriester - für einen Spottpreis. Die Hohenpriester sind bereit zu zahlen. Geld oder Liebe.
Die Frau entscheidet sich für die Liebe. gibt das Geld aus, für einen Liebesbeweis. alles, was ich habe, gebe ich dir! Sie salbt Jesus. Sie salbt ihn zum Messias. Zum Gesalbten. Ihre Geste ist nur ein Zeichen der Liebe. Ein spontaner Ausdruck der Zuneigung. Doch manchmal erhält eine kleine Geste überraschend eine große Bedeutung. Sie salbt Jesus zum Messias. So versteht Jesus diese Geste. "Sie hat meinen Leib zum Begräbnis gesalbt." So wird dieser Akt der Liebe zu einer Sternstunde. Was Jesus andeutet, ist Wirklichkeit geworden. bis heute spricht man von dieser Frau. Sie wählt Liebe statt Geld.
Die Jünger sind entsetzt. Was hätte man mit dem Geld nicht alles tun können. sie denken vernünftig. Das ist gut und richtig. Normalerweise. sie sehen nicht die Ausnahmesituation. Ihre Augen sind verschlossen. Sie handeln menschlich. Ihr Motto ist: Geld und Liebe.
Judas entscheidet sich für das Geld. so stellt Matthäus es dar. Warum, ist unklar. Judas bleibt im dunkel. Ist es die Habsucht, die ihn treibt? Aber die dreissig Silberlinge sind ein Spottpreis. Später wirft er das Geld weg... Geld oder Liebe? Manche vermuten, Judas hätte Jesus zwingen wollen, sich zu offenbaren, sich zum König zu proklamieren, vor aller Welt. Vielleicht doch ein Akt der Liebe...? Doch der Frau gelingt es ihre Zuneigung auszudrücken, Judas nicht. Er bleibt im Dunkel.
Und die Hohenpriester? Sie wählen weder Geld noch Liebe. Macht lautet ihr Stichwort, nicht Liebe. Sie wollen Sieger bleiben. Dafür ist ihnen jedes Mittel recht. Ruhe und Ordnung sollen herrschen. Das Geld ist für sie nur Mittel zum Zweck.
Geld oder Liebe?
Wo finden wir uns wieder? In der Frau? In den Jüngern? In Judas? In den Hohenpriestern? Vielleicht überall ein wenig.
Die Passionsgeschichte ist ein Mosaik menschlicher Leidenschaften. Verschiedene Personen tauchen auf. Judas. Die Hohenpriester. Petrus. die anderen Jünger. Pilatus. Soldaten. Verschiedene Szenen laufen vor unseren Augen ab. Sie alle geben - jede für sich - eine Antwort auf die Frage, warum Jesus sterben mußte. sie verdeutlichen den Satz vom Anfang der Bibel: das Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend an (Gen 8,21). Der Mensch will das Gute und erreicht das Böse. die Jünger. Judas. Die Hohenpriester.
Nur die Frau hier ist die Ausnahme in der Passionsgeschichte. Und später die Frau des Pilatus, die ihren Mann warnt. Zufall? Auch am Grab Jesu wird eine Frau die erste sein, die von Ostern erfährt... Zufall?
Geld oder Liebe? Die Frau entscheidet sich für die Liebe. Die Männer setzen ihr Vertrauen auf das Geld. Judas. Die Jünger. Und die Hohenpriester.
Amen.