MJ

Pfingsten - Geburtstag der Kirche
Predigt an Pfingsten 2003 in einem Gottesdienst mit vier Taufen

 

Predigttext: Johannes 14,23-27

Pfingsten – der Geburtstag der Kirche, so sagt man. Und das stimmt ja auch, wenn wir an die Lesung zurückdenken. Seit dem Pfingstfest kamen die Jünger aus ihren Häusern und begannen offen und laut für Jesus und seinen Gott Werbung zu machen, wie wir heute sagen würden. Seit diesem Tag setzten sie offensiv und öffentlich den Missionsbefehl Jesu um: Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Seither sind 2000 Jahre ins Land gegangen. Die Kirche ist gewachsen und gewachsen. Und auch heute morgen wird sie noch ein klein wenig größer – wir taufen 4 Menschen, drei Kinder und eine erwachsene Frau.

Sie, liebe Frau S., drücken mit dem Wunsch getauft zu werden aus, dass Sie sich diesem Gott, dem Vater Jesu, anvertrauen wollen ein Leben lang. Symbolisch wird diese Zusage in der Taufe sichtbar.
Und Sie, liebe Eltern, bitten um Bewahrung und Begleitung ihrer Kinder, bitten um Schutz und Hilfestellung. Bitten Gott um seinen Geist – für sich selbst in der Erziehung ihrer Kinder, für ihre Kinder, auf dem Weg den sie gehen werden. Symbolisch vertrauen Sie Ihre Kinder in der Taufe diesem Gott an.

Heiliger Geist – in einem Satz gesagt, das ist Gott bei uns, unter uns, in uns. Es gibt auch andere Geister. Ein geistreicher Lehrer vermag seine Schüler über die Schulzeit hinaus zu begeistern, indem seine Lehren in ihren Herzen lebendig bleibt. Und der Geist von Camp David wirkt noch lange weiter im Friedensprozess zwischen Israel und Ägypten.

Sich am Heiligen Geist orientieren heiß sich an Jesus zu orientieren. Heiliger Geist ist Gott bei uns oder wir könnten genauso gut sagen: Heiliger Geist ist Jesu bei uns, Jesu Einstellungen und Überzeugungen unter uns, die in Jesu Worten und Taten sichtbar wurden. Da, wo Menschen sich an diesen Worten und Taten orientieren, da ist Heiliger Geist. Und da ist auch Kirche, Gemeinschaft der Christinnen und Christen.

Im Predigttext klingt dabei das Wort lehren an. Der Heilige Geist wird euch alles lehren und euch an das erinnern, was ich euch gesagt habe, sagt Jesus. Das wünschen wir uns alle für uns, dass der Geist Gottes und so lehrt und erinnert, aber das wünschen wir uns auch für die Kinder die wir heute taufen. Die verstehen heute noch nichts von dem was an ihnen geschieht. Die ahnen heute noch nichts vor dieser vorauseilenden Liebe Gottes, die allem voraus geht, was wir Menschen tun, denken und sagen könnten. Die einmalige Taufe ist das einmalige Zeichen für diese einmalige und unwiderrufliche Liebe Gottes zu uns, die Jesus uns gelehrt hat. Aber wir müssen das erklärt, gelehrt bekommen. Der Glaube fällt nicht einfach vom Himmel.

Wir wünschen Ihnen, liebe Eltern und Paten, dass Sie in Ihrer Aufgabe, diese Kinder groß zu ziehen, sich dieser Liebe Gottes bewusst sind. Und wir wünschen Ihnen, dass es ihnen gelingen möge, auch Ihren Kindern diese Liebe begreiflich und anschaulich werden lassen zu können. Wir, die Gemeinde, unterstützen Sie dabei.
Durch mich als Pfarrer, der ich als Seelsorger zur Verfügung stehe.
Durch unsere Kindergartenarbeit, in der wir uns bemühen, den Kindern die christliche Botschaft näher zu bringen.
Durch Kinder- und Jugendarbeit, in der wir uns z. B. darum bemühen, Kindern Wertschätzung und Aufmerksamkeit zu vermitteln, die ihnen sonst oft fehlt.
Durch Kinder- und Familiengottesdienste, in denen wir die Botschaft Jesu kindgerecht vermitteln.
Durch Religionsunterricht in der Schule, in dem die Inhalte unseres Glaubens aber auch Verständnis und Toleranz für andere Religionen vermittelt werden soll.
Durch den Konfirmandenunterricht, in dem wir uns darum bemühen, die Konfis Sinn und Zweck der kirchlichen Arbeit zu vermitteln.

Liebe Eltern und Paten,
Sie stehen nicht allein bei ihrer Aufgabe. Die christliche Gemeinde begleitet Sie. So wird die Botschaft, der Glaube weiter getragen. Man könnte auch sagen: Heiliger Geist, das ist die christliche Gemeinde hier auf Erden. Sie vertritt Gott und seinen Sohn Jesus hier unter den Menschen. In diese christliche Gemeinschaft hinein nehmen wir heute durch den symbolischen Akt der Taufe vier Menschen auf. Damit empfangen diese vier Menschen durch dieses sichtbare Zeichen die Zusage Jesu: Ich bin bei euch alle Tage und sie werden zugleich hineingestellt in die Aufgabe der christlichen Gemeinde: Macht zu Jüngern alle Völker und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe.

Zusammengefasst wird die Botschaft von Pfingsten in dem Lied, das wir jetzt vom Chor hören. Ich lese den Text zunächst, und eigentlich ist es zugleich ein Gebet:

Heilger Geist, mit Gnaden füll unser Herz und mach es still,
dass uns leite nur dein Will.
Lehre Du den Glauben mir, gib mir Liebe für und für,
dass ich leb zum Lobe Dir.
Der du Geist der Wahrheit bist, lehr uns,
dass der Herre Christ unser aller Heiland ist.
Wollest doch in Kraft durchwehn unsre Land, Herr, wir flehn,
lass uns neues Leben sehen.
Halleluja!

Amen.