Matthias Jung

 

 

 

Der Euro kommt - endlich! 

Predigt zu Jesaja 12,2 (Jahreslosung) an Neujahr 2002

 

iebe Gemeinde!

Der Euro kommt - endlich!

Lange angekündigt, seit Monaten in aller Munde, aber noch nicht in unseren Händen. Nun ist es soweit, ab heute geht´s richtig los. Ich habe einen mitgebracht.

Kaum zu glauben, was diese kleinen Metallstücke und die Papierscheine Menschen bewegen können. In den letzten Tagen keine Nachrichtensendung ohne irgendeine Meldung zum Euro.

Und Leserbriefe. Seit Wochen. Einer aus der letzten Woche hat mich sehr nachdenklich gemacht. Da schilderte eine Frau ihre gemischten Gefühle zum Euro. Und das gipfelte in dem Satz: Mein Vater, der hat richtig Angst vor dem Euro.

Das hat mich erschreckt. Ich habe mich gefragt: Was verbinden Menschen mit diesen Geldstücken? Und mit der guten, alten D-Mark? Offenbar: ein Stück Geborgenheit, Sicherheit, Vertrautheit. Vielleicht auch ein wenig Überlegenheitsgefühle gegenüber anderen Staaten Europas. Diese Sorgen und Ängste wurden in der letzten Zeit von vielen Menschen geäußert. Das Gefühl war: Wir verlieren hier etwas ganz wichtiges, etwas, das uns eben ein Gefühl von Sicherheit gab. Und wir wissen nicht, wie es weitergeht.

Geborgenheit und Sicherheit - das sind Worte, die auch im Bereich der Religion wichtige Bedeutung haben. Ist Geld nicht auch oft eine Ersatzreligion?

In den letzten Tagen dann machte sich aber auch eine Art Euro-Euphorie breit. Endlich kommt er! Und alles wird neu. Und vielleicht, vielleicht geht´s ja dann auch mit Wirtschaft aufwärts und es gibt mehr Wachstum und neue Arbeitsplätze und und und...

Geld.
Eigentlich doch nur ein Zahlungsmittel.

Und doch schon zur Zeit der alten Propheten Streitpunkt. Im Namen Gottes wettern die Propheten gegen Ausbeutung und Verschwendungssucht. 
Jesus selbst dann bringt es kurz und knapp auf die Formel: Ihr könnt nicht zwei Herren dienen, Gott und dem Mammon.
In der Geschichte der Christenheit bleibt das Geld ein ständiges Thema. Wie passen Glaube und Geld, Kirche und Besitz zueinander?
Die ersten Wanderpropheten, die herumzogen und von Jesus predigten, wurden gerade daran erkannt, dass sie nichts besitzen und auf die vollständige Unterstützung der Gemeinden angewiesen waren.
Armut wurde das Ideal der Mönchsbewegung. Kein persönlicher Besitz, lautete die Regel. Konsequent umgesetzt von manchen Klöstern in der Weise, dass der Reichtum des Ordens ins unermessliche stieg, der einzelne Mönch aber nichts besaß. Franz von Assisi kehrte diese Entwicklung mit der Gründung seines Bettelordens um. Aber es dauerte nicht lange, dann stritten seine Nachfolger um die Frage, ob denn ein Franziskaner wirklich nichts besitzen dürfe. Anschaulich beschrieben in Buch und Film: Der Name der Rose.
Und die Linie setzt sich fort bis zu unserem Kirchensteuersystem in der BRD, dass unsere Kirchen trotz aller Einbrüche wohl mit zu den reichsten Kirchen der Welt zählen lässt.

Die Euroumstellung gibt uns als Christinnen und Christen Gelegenheit, wieder einmal über unser Verhältnis zum Geld nachzudenken. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir sehr viel über DM und Euro nachdenken. Sehr viel bewusster als sonst Geld in die Hand nehmen als sonst. Preise vergleichen, Geldstücke und Scheine betrachten, hin und her rechnen.

Die Jahreslosung für dieses Jahr weißt den Weg:

"Ja, Gott ist meine Rettung, ihm will ich vertrauen und niemals verzagen." 
(Jesaja 12,2)

Ihm kann ich, soll ich vertrauen und niemals verzagen. Bei aller Macht: Geld ist doch nur ein Ding dieser Welt. Mitnehmen können wir einmal keinen Pfennig, Entschuldigung: keinen Cent. Im Himmel wird weder in DM noch in Euro bezahlt. Auch nicht mit Dollar. Da zählt nur die Liebe Gottes.

Daher: holen wir doch ein kleines Stückchen von diesem Himmel auf dei Erde. Und mischen wir uns dementsprechend in die Gespräche der nächsten Zeit.

Geld ist gut und schön. Aber es gibt wichtigeres im Leben.
Geld ist gut und schön. Aber es taugt nicht als Religionsersatz.
Ausreichend Geld zu haben ist auch gut und schön. Ich brauche mir um manche Dinge keine Sorgen zu machen.
Mehr Geld zu haben, als ich brauche, ist auch gut und schön. Dann kann ich denen etwas abgegeben, die viel weniger haben und die deswegen Sorgen und Angst haben.
Geld ist schön und gut. Und wichtig und unverzichtbar in unserer Welt. Aber wichtiger noch ist die Gewissheit, dass es da eine Macht gibt, die mit Geld nicht zu bezahlen und auch nicht zu beeinflussen ist. Diese Macht nennen wir Gott, den Vater Jesu. Und von dem sagt der Prophet Jesaja: Gott ist meine Rettung, ihm will ich vertrauen und nicht verzagen.

Amen.