Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt...
Johannes 12,20-26
Liebe Gemeinde,
ein schwarzes Kreuz aus Erde ist hier vorne in der Kirche zu sehen. Es hat zu tun mit dem heutigen Predigttext aus dem Johannesevangelium, Kapitel 12:
- Lesen -
Liebe Gemeinde,
in diesem Text geht es um Kontraste:
es geht darum, das Leben zu gewinnen und zu verlieren,
es geht um Ende und Anfang,
es geht um Saat und Ernte,
es geht um Trauer und Hoffnung.
Auch das Kreuz hier vorne bietet einen Kontrast:
ein schwarzes Kreuz auf hellem Hintergrund.
Ein schwarzes Kreuz.
Ein schwarzes Erdkreuz.
Schwarze Erde.
Schwarz wie die Nacht.
Schwarz wie die Seele des Bösen.
Schwarz wie die Rauchwolken, die über Bagdad und Basra aufsteigen.
Schwarz wie die Kleidung der Trauernden.
Wir sind in der Passionszeit.
Wir denken über das Leiden Jesu nach.
Jesus sagt: Das muss so sein.
Ich muss leiden. Nur so kann etwas Neues entstehen.
Und er nimmt das Bild des Weizens.
Das Weizenkorn wird in die Erde gelegt.
Und stirbt nach damaliger Vorstellung.
Sterben.
Jeder muss sterben.
Aber auch die Hoffnung stirbt.
Immer wieder.
Dei Hoffnung auf Leben.
Die Hoffnung auf Frieden.
Die Hoffnung auf Versöhnung.
Auf Zukunft.
Jesus verschweigt das nicht.
Aber er sagt: das ist so.
Doch durch den Tod hindurch kann etwas neues wachsen.
Und Frucht bringen.
Wie das Weizenkorn.
Weizen.
Frucht der Erde.
Frucht der Sonne und des Regens.
Frucht der Hoffnung.
Gesät in der Hoffnung Jahr für Jahr, dass er Frucht bringt.
Jesus sagt:
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein, wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.
Das ist eine Einladung an uns Christinnen und Christen.
Jesu Nachfolgerinnen und Nachfolger.
Auch unsere Hoffnungen sterben.
Immer wieder.
Und dennoch:
Es liegt eine Verheißung auf dem Säen.
In die Erde legen.
In der Hoffnung, dass es Frucht bringt.
So möchte ich Sie und Euch jetzt gleich einladen, nach vorne zu kommen.
Ein Weizenkorn zu nehmen und in die schwarze Erde zu legen.
In der Hoffnung, dass das Weizenkorn stirbt, wie die Bibel sagt, und dann Frucht bringt.
Bis zum Ostertag sind hoffentlich die Weizenkörner gekeimt.
Vielleicht nicht alle.
Aber doch viele.
Und fangen an, Frucht zu bringen.
Wo auch immer.
Im Nahen oder in der Ferne.
Jesus sagt: Wer mir nachfolgt, der kann die Hoffnung nicht aufgeben. Mir nachfolgen, heißt: es gibt Hoffnung und Zukunft. Auch wenn die Anzeichen oft dagegen sprechen. Und es gibt auch Verlust und Trauer und Krieg und Zerstörung. Aber wenn das Weizenkorn in die Erde gelegt wird und stirbt, dann wird es viel Frucht bringen.
Wird.
Nicht: kann.
Nicht: vielleicht.
Sondern: es wird Frucht bringen.
So lade ich Sie und Euch nun ein, in der Nachfolge Jesu ein Weizenkorn zu säen.
Wollen wir schauen, was daraus in der Kirche wird.
Und Jesus lädt uns ein, oder besser: fordert uns auf: in unserer Welt Hoffnung zu säen.
Da, wo wir leben.
In Voerde und Umgebung.
Wir können, oder besser als Jesu Nachfolgerinnen und Nachfolger: sollen wir schauen, wo wir Hoffnung säen können.
Im Kleinen wie im Großen.
Und dann schauen, was daraus wird.
Das liegt nicht in unserer Hand.
Aber die Verheißung Jesu gilt:
Das Weizenkorn, das in die Erde gelegt wird, wird Frucht bringen.
Amen.
Dazu gehört die Osterpredigt: Die Grünkraft Gottes nach Hildegard von Bingen