Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich. (Johannes 14,1)
Jahreslosung 2010 - Predigt an Neujahr

Liebe Gemeinde,
seit mehreren Jahren gestalte ich nun die Jahreslosung mit einem eigenen Photo. Dabei gehe ich stets so vor, dass ich mir den Text durchlese und dann einfach mit offenen Augen durch die Welt gehe. Bislang war es dann Jahr für Jahr so, dass ich irgendwann ein Motiv sah und dachte, dass ist es oder könnte es sein. Wieso Bild und Text für mich zusammen passen, weiß ich in diesem Moment noch nicht, es ist eine Ahnung, ein Bauchgefühl, wenn man so will...
Auch im letzten Jahr war dies so. Es war am letzten Tag unseres Urlaubs in den Nähe von Hindelang im Allgäu. Schon häufiger waren wir an dieser Stelle. Wasser und Steine sind hier vielfältigem Zusammenspiel zu beobachten. Ich krabbelte mit der Kamera auf dem Boden herum - und dann sah ich diese Stelle und die Sonne. Sofort war da dieses Gefühl, das könnte es sein.
Zuhause, im Herbst, favorisierte ich erst ein anderes Motiv, was ich dann aber verwarf und dieses wieder hervorholte.
Wasser, ganz still. Die Sonne, ein weißes Auge. Steine, hart und rund. Fast ein schwarz/weiß Bild, wenn nicht das leichte Blau um die Sonne Farbe ins Spiel bringt.
Es hat eine Weile gedauert, bis sich mir der Text über das Bild erschlossen hat, oder besser: bis ich diesen Zusammenhang in Worte fassen konnte.
Jesus sagt:
Euer Herz erschrecke nicht.
Glaubt an Gott und glaubt an mich.
Es sind zwei Gedanken.
Jesus sagt: Glaubt an Gott an mich. An anderer Stelle kann er sagen: wer mich sieht, sieht den Vater. Oder: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben und niemand kommt zum Vater denn durch mich. Wer Jesus sieht, sieht Gott. Niemand hat Gott gesehen. Und das ist wahrscheinlich auch besser. Wahrscheinlich würden wir sofort vergehen. So ähnlich ist es mit der Sonne: schau ich mit meinen Augen genau hinein, verliere ich das Augenlicht. Nur mit starken Sonnenbrillen geht es - oder eben indirekt. So wie hier: wir sehen die Sonne sich im Wasser spiegeln. Wir erkennen sie und können sie betrachten, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen. Und mit Gott ist es ähnlich: in Jesus "spiegelt" er sich wieder, dort können wir ihn erkennen, ohne Sorge um unser Leben zu haben. Glaubt an mich und glaubt an Gott.
Und das zweite:
Wir sehen die Sonne auf diesem Bild inmitten des Wassers, umgeben von Steinen. Würde ich direkt in die Sonne blicken - und sei es mit Sonnenbrille, würde ich nichts davon sehen. Übertragen auf die Jahreslosung sagt mir das: wenn wir Gott nicht direkt sehen, sondern immer nur indirekt, durch Jesus vermittelt - oder auch durch das Zeugnis anderer Menschen, dann nehme ich zugleich mein Leben mit wahr. Jesus war Mensch unter uns Menschen, hat Gottes Liebe unter uns aufleuchten lassen. Mein Leben... Symbolisiert auf diesen Bild durch den Kontrast von harten, nahezu schwarzen Steinen und weichen, fast weißem Wasser. Es gibt Hartes in meinem Leben, dass mir Angst machen kann. Steine, die mir auf der Seele liegen. Harte Brocken. Aber auch weiches kann mich in Angst verschrecken. Dinge, die mir eintgleiten, die ich nicht zu fassen bekommen. Natürlich gibt es auch Hartes, an dem ich mich festhalten aufrichten kann. Und Weiches, dass mich umfließt, einhüllt. Aber hier, in der Jahreslosung spricht Jesus von dem, was uns Angst machen kann. Daher mögen die Steine und das Wasser hier einmal für das stehen, dass uns beschwert, die Luft abschnürt, das Leben verdunkelt. Und da sagt Jesus: Erschreckt nicht! Glaubt an mich und glaubt an Gott!
Es gibt genug, was uns das Leben schwer macht. Aber es gibt auch Lichtblicke. Daran möge Sie dieses Bild und der Spruch in diesem Jahr immer wieder erinnern.
Amen.
-----
