MJ

Furka, Grimsel, Susten  (Samstag, 14. Juni)

 

Als ich morgens gegen 8.00 zu dieser Tour aufbreche, ahne ich noch nicht, was mich erwarten wird. Am Abend zurückgekehrt stelle ich fest: ich glaube nicht, dass ich je zuvor eine verrücktere Tour gefahren bin.

Zunächst steht der Furka auf dem Programm. Anfahrt von Andermatt bis Realp 10 völlig unproblematische Kilometer. Dann geht es gleich richtig los. 

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Steil ziehen die Kehren hinauf zum Restaurant Galenstock. Der Blick zurück beeindruckend. Relativ flott erreiche ich das Restaurant Galenstock und sehe ganz weit voraus die Passhöhe. 

Doch zunächst komme ich nach Tiefenbach. Danach geht es immer weiter bergan, meist so Steigungen um 8-10%, nie wirklich schwer. Das Wetter ist traumhaft, es sind relativ viele Motorradfahrer und auch etliche Radfahrer unterwegs.

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Überraschend schnell erreiche ich den Pass, noch 200 Meter und die Eisriesen stehen mir vor Augen. 

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Schnell erreiche ich Belvedere, aber zu sehen ist außer Autos nichts. Also weiter. Rasant fällt die Strasse ab, der Rhonegletscher taucht auf und natürlich auch Gletsch weit unten und die Kehren hinauf zum Grimsel.

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Immer wieder halte ich an, staune über das Panorama. 

Dann ist Gletsch erreicht. Rast. Essen. Trinken. 

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Und dann hinauf zum Grimsel. 

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Es ist inzwischen ziemlich heiß, aber die Strasse ist breit und gut und nicht übermäßig steil. Leider gibt es überhaupt keinen Schatten, so dass ich froh bin, als ich oben bin. Aber es gibt doch immer wieder schöne Blicke zurück zum Rhonegletscher und zum Furka.

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Da ich noch einiges vorhabe, esse ich hier oben zu Mittag. Im Schatten. Danach Photos vom Totensee. 

Webcam vom Grimselhospiz

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Den besten Blick habe ich von etwa einem Kilometer weiter oben, da gibt es ein kleines Sträßchen hinauf.

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Und dann hinab, zunächst an den Stauseen vorbei, dann steil hinunter. 

Das Wetter ist nach wie vor gut. Allerdings habe ich jetzt heftigen Gegenwind. Der stört mich wenig, spekuliere ich doch darauf, dass er mich gleich den Susten hinauf schieben wird.

Irgendwann ist die schier unendliche Abfahrt in Innertkirchen zu Ende (über 25 Km). Rechts geht es ab zum Susten. Den Pass hatte ich 1997 schon mal gefahren und ich freute mich auf die faszinierende Streckenführung und die grandiosen Aussichten.

Der Wind schiebt mich anfangs tatsächlich, aber es ist heiß, so heiß. Jedes kleine Fleckchen Schatten am Weg wird von mir begeistert begrüßt.

Und dann wird auch schnell deutlich, wo der Wind herweht. Von "hinten" wird es immer dunkler. Mir schwant jetzt noch nichts, es sind kleinere Gewitter lokaler Art angesagt. Ich sage mir, wenn die dahinten aufziehen, komme ich trocken hinauf. Was für ein Irrtum.

Noch nicht einmal die Hälfte der Auffahrt ist geschafft. Der Rückenwind hat aufgehört, ich muss alleine arbeiten. Es zieht sich immer mehr zu, beginnt auch in den ersten Kehren hinauf zum Hotel Steingletscher leicht zu tröpfeln. Noch immer habe ich die Hoffnung, dass hier nichts passieren wird, Richtung Susten sind immer noch blaue Flecken am Himmel.

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Dann die letzten Kilometer zum Steingletscher. Allmählich wird mir klar, was da auf mich zukommt. 

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Ich beeile mich ziemlich und erreiche das Hotel pünktlich mit Beginn des Gewitters einschließlich wolkenbruchartiger Regenfälle.

Eine Stunde Zwangspause. Mir wird langsam kalt. Als es nur noch tröpfelt, beschließe ich, weiter zu fahren.

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Im leichten Regen bei pausenlosen Gegrummel fahre ich die letzten Kilometer bis zum Pass. 

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Klappt auch gut, obwohl von hinten ein weiteres Gewitter heranrauscht.

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Ich fahre durch den Scheiteltunnel und sofort hinab. Der Regen nimmt zu. Zum Glück ist die Strasse in allerbestem Zustand und auch nicht schmierig, so dass ich gut abfahren kann. Doch was heißt hier gut. Kälte und Nässe ziehen mehr und mehr in meinen Körper. Ich habe Zähneklappern, so kalt ist mir. Mitunter denke ich, die Abfahrt wird nie enden. 

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18 Kilometer rolle ich so hinunter nach Wassen und bin heilfroh, dass ich am Tag zuvor mein Auto dort abgestellt hatte. Rad rein, ich rein, hinauf nach Andermatt und in die Badewanne.

P.S. Diese Fahrt über die drei Pässe war in doppelter Hinsicht ein Höhepunkt meiner Radfahrerlaufbahn: nie zuvor war ich über acht Stunden auf dem Rad (mit den freiwilligen und erzwungenen Pausen war ich sogar elf Stunden unterwegs), nie zuvor hatte ich an einem Tag 3000 Höhenmeter gefahren. Dazu noch die Wechselspiele des Wetters. Was für ein Tag!