Predigt über über Lukas 10,25-37 (Der barmherizge Samariter)
am 14. September 2008 im Ökumenischen Gottesdienst anlässlich des 100jährigen Bestehens der DRK-Bereitschaft Voerde
iebe Gemeinde,
100 Jahre DRK-Bereitschaft Voerde, ein Anlass inne zu halten. Dank zu sagen. Zurückzuschauen - das haben sie schon mit der schönen und beeindruckenden Festschrift. Auch ein Anlass zu feiern. Gar nicht mal sich selber zu feiern. sondern weil feiern zum Mensch-Sein dazugehört, Spass macht, man sich dabei unterhält und begegnet. Eine Feier findet auch inder Öffentlichkeit statt, man sagt, hier sind wir und wir feiern, wir laden ein, kommt vorbei - das ist auch ein Stück Werbung für die eigene Sache. Alles Dinge, die eine Organisation gut gebrauchen kann, die wie das DRK von der Ehrenamtlichkeit lebt.
Ich habe etwas recherchiert. Weil ich mich gefragt habe? Wo kommt das rote Kreuz des Roten Kreuzes her? Es gibt ja auch noch den Roten Halbmond. Meien Vermutung war, dass da schon etwas Religiöses mit im Spiel ist.
Das Rote Kreuz ist entstanden zu Ehren des Schweizers Henri Dunant, der die Bewegung uíns Leben gerufen hat. Dabei hat man einfach die Schweizer Flagge genommen und die Farben umgekehrt. Doch schon 1976, im Russischen Krieg, stieß sich die türkische Regierung an der Tatsache, dass da Sanitäter mit dem roten Kreuz auch zu den muslimischen Soldaten aufs Feld liefen. Sie fürchtete, dass die Muslime daran Anstoß nehmen könnten und rief ihrerseits die Rote-Halbmond-Bewegung ins Leben. Also doch schon ein gewisser Zusammenhang zwischen der Rot-Kreuz-/Roter-Halbmond-Bewegung und der Religion. Bis heute ist es so, dass in den überwiegend islamischen Staaten die Rote-Halbmond-Bewegung aktiv ist, in allen anderen Ländern die Rote-Kreuz-Bewegung.
Die Grundsätze des DRK sind aus meiner Sicht aber auch durchaus mit den Überzeugungen des christlichen Glaubens vereinbar (und auch mit denen des Islam, nur so nebenbei gesagt). Da habe ich gefunden: Menschlichkeit - Unparteilichkeit - Neutralität - Unabhängigkeit - Freiwilligkeit - Einheit (in jedem Land nur eine Organisation) und Universalität. Passt alles auch zum christlichen Glauben. Das möchte ich deutlich machen an der Geschichte, die seit 2000 Jahren Begründung, Motivation und Ansporn zum Helfen für Christinen und Christen war und ist: Die Geschichte vom barmherzigen Samariter.
Meinen Konfirmanden erkläre ich da so: in der Geschichte gibt es drei "Prüfpunkte":
Der Samariter hilft
- ohne zu zögern,
- ohne nach Bezahlung zu fragen
- mit Einsatz von eigenem Geld.
Mit diesen drei Prüfpunkten schicke ich die Konfis dann zu unserer Diakonie, also zur Schuldnerberatung, zur Drogenberatung, auch schon mal zum Ev. Krankenhaus und zur Airportseelsorge. Dort sollen sie erfragen, wie es um die Übereinstimmung der Diakonie mit der Geschichte vom Samariter steht. Zumeist der erste Prüfpunkt wird überall erfüllt, aber bei der Bezahlung sieht es z. B. im Krankenhaus schon anders aus - aber da verdienen ja auch sehr viele Menschen auch ihren Lebensunterhalt mit. Doch wie dem auch sei, ich bin mir ganz sicher: würden die Konfis mit den drei Prüfpunkten hier zum DRK kommen, da würde die Antwort lauten: alle Punkte erfüllt!
Insofern gibt es schon eine enge Beziehung zwischen christlicher Gemeinde und dem Roten Kreuz. Und Menschen, die sich dem christlichen Glauben verbunden fühlen und sich hier engagieren, die werden sicher auch diese Geschichte als Hintergrund, Begründung und Motivation für ihren Einsatz ansehen.
Zugleich wird aber für mich auch deutlich: In der Bereitschaft zu helfen, und in der Überzeugung, dass der jeweilige Glaube zum Helfen anspornt, sind sich die großen Weltreligionen Christentum und Islam und sicher auch das Judentum ganz nah.
In diesem Sinne wünsche ich allen Mitarbeitenden hier in der DRK-Bereitschaft Voerde weiterhin Kraft und Mut und Ausdauer für ihren Dienst. Und uns andere, die Gäste bei Gottesdienst und "Tag der Offenen Tür", uns erinnere ich daran, dass die Aufforderung Jesu: Geh und und tue desgleichen! und allen gilt. Dafür gibt es ganz verschiedene Orte und Formen zu helfen. Nicht jeder muss gerade im DRK aktiv sein. Aber: wer sich als Christin oder Christ versteht, kommt an dieser Frage nicht vorbei. Wie gesagt nicht jeder muss beim DRK aktiv sein oder für das DRK spenden. Aber zumindest unterstützen, anerkennen, werben für die Arbeit, das können wir in jedem Fall. Und das tut denen, die sich ehrenamtlich engagieren auch gut. Und deshalb möchte ich an dieser Stelle als Vertreter der evangelischen Kirche einmal ganz ausdrücklich Dank sagen für unzählige Unterstützung bei Gemeindefesten und anderen Veranstaltungen mit Zelten, Bänken und vielem anderen mehr. Ohne ihre Hilfe wäre vieles so nicht oder nur sehr erschwert möglich. Ich denke, ich spreche da auch im Namen meines katholischen Kollegen.
Doch es braucht auch Geld. So hatte ich vorgeschlagen, die Kollekte für das DRK selbst zu sammeln. Doch da zeigt sich noch einmal die Zurückhaltung und Bescheidenheit des DRK - das wurde abgelehnt. Statt dessen lautet der Vorschlag, für die Notfallseelsorge zu sammeln. Auf der Rückseite des Liedblattes finden Sie dazu einige Hinweise, vor allem auch den, dass die Mitarbeitenden der Notfallseelsorge auch bereit stehen, Mitarbeitende des DRK nach schweren Einsätzen zu betreuen. Die Notfallseelsorge ist ja noch eine recht junge Organisation. Hier im Kreis Wesel wird sie weitgehend von evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern und katholischen Pfarrern. Wobei, die Mehrzahl stellen die evangelischen Geistlichen, ich denke das hängt damit zusammen, dass wir zahlenmäßig einfach noch mehr sind. Aber daran wird noch einmal deutlich, was sicher auch für die Rot-Kreuz-Bewegung gilt: Qualität ist allemal wichtiger als Quantität. Ich würde mich freuen, wenn Sie die Arbeit der Notfallsseelsorge im Sinne der Geschichte vom barmherzigen Samariter großzügig unterstützen würden.
Amen.