26. Mai 2009 - Zur Bieler Höhe auf der Silvretta-Hochalpenstrasse
(152 Kilometer)
Link: Die Sivretta-Hochalpenstraße auf Quäldich.de
Auch die Silvretta-Hochalpenstraße war noch nicht für den Verkehr in diesem Jahr freigegeben. Deshalb war ich mir nicht sicher, ob ich sie befahren kann. Nach den Erfahrungen mit dem Hahntennjoch dachte ich mir aber, einen Versuch ist es wert. Vorab gesagt: er war es mehr als wert, und doch verlief die Tour anders als erwartet.
Strahlend schönes Wetter am Morgen, aber die Aussichten sagten Gewitter für den Nachmittag an. Daher startete ich schon morgens um 7.00, fand nach kurzer Suche auch den Inntalradweg (mit freundlicher Hilfe einer einheimischen Dame, die meine suchenden Blicke richtig deutete).

Bis Landeck radelte ich so gemütlich vor mich hin, fand dann auch problemlos die Abbiegung Richtung Arlbergpass und nach weiteren drei Kilometer und einer kurzen, heftigen Steigung bog ich ins Paznauntal ab.

Das Tal gefiel mir viel besser als das Pitztal. Sehr gemächlich steigt die Straße an, nur von kurzen Steigungen unterbrochen.

See wird schnell erreicht, auch Kappl und das schreckliche Igls.

Nach und nach schieben sich von vorne die Berge ins Blickfeld. Wunderschöne Ausblicke, blühende Wiesen, Wasserfälle, wenig Verkehr, alles prima.

Nach 30 Kilometern Fahrt durch Tal komme ich dann nach Galtür. Ein recht unscheinbares Örtchen, dass dann auch schnell hinter mir liegt.

Wenige Kilometer weiter erreiche ich das Hinweisschild auf die Wintersperre. Aber kein Schlagbaum, nichts. Also weiter. Schließlich ignorieren auch Motorräder und Autos das Schild.

So geht es jetzt etwas steiler hinauf. Nach wenigen Kilometern kommt dann aber die Mautstelle und da stehen sie alle. Hm... Ich riskiere es einfach und fahre munter vorbei. Keiner ruft hinter mir her, also scheint das kein Problem zu sein...

Abgesehen von ein paar PKW von Arbeitern und einigen Fußgängern habe ich die Straße für mich allein. Und jetzt wird sie spektakulär. Durch schmelzende Schneefelder und gerade zu blühen beginnende Wiesen windet sich die Straße der Bieler Höhe entgegen. Eine faszinierende Landschaft.

Relativ flott komme ich nach oben, die Kondition macht keine Probleme.

Die Bieler Höhe wird erreicht, eine Radfahrerin kommt mir entgegen- und da dachte ich mir, nun, dann geht es ja hinten auch runter! Aber das sollte ein Irrtum sein...

Zunächst raste ich auf breiter, mir ganz allein gehörender Straße nach unten, Partennen entgegen. Meine Absicht ist, bis Bludenz zu fahren und von dort mit dem Zug zurück nach Imst durch den Arlbergtunnel.
Der grüne Vermuntsee wird passiert, ich mache noch ein paar Photos, dann geht es weiter. An einigen Stellen habe ich das Gefühl, die Straße senkt sich ins Nichts...

Doch plötzlich werde ich durch eine Straßensperre jäh gestoppt. Ein paar freundliche Herren weisen mich darauf hin, dass es hier nicht weiter geht wegen "Felsräumungen". Ich könnte nur zurück fahren - oder einen kleinen Fußweg etwas weiter oben über eine Lawine nehmen, da müßte ich das Rad aber tragen...
Toll, beide Ideen begeistern mich nun garnicht.... Ich schaue mir den Fußweg an, ne, da gehe ich nicht mit meinem Rad runter. Also wieder rauf, 5 Kilometer und 400 Höhenmeter zusätzlich. Macht wirklich viel Spaß... Nun ja, aber auf diese Weise komme ich noch zu einem Photo des Passhöhenschildes.


(Webcam auf der Bieler Höhe)
Im Nachhinein bereut habe ich es nicht. Denn was jetzt folgt, ist vielleicht die längste Schussfahrt, die ich je mit dem Rad gemacht habe: 50 Kilometer sind es bis Landeck und es geht fast nur bergab.
Anfangs habe ich die Straße wiedervöllig für mich allein, da kommt schon so ein "Tour de France" Gefühl auf, wenn ich im Fernsehen die rasenden Abfahrten der Profis verfolgt habe, die ja auch keinen Gegenverkehr kennen... Nur wie die auf Tempo 100 kommen, ist mir unbegreiflich, ich schaffe hier auf dieser leeren, breiten und supergut ausgebauten Strasse vielleicht mal 58 - mehr geht nicht.
Die meiste Zeit sind aber viel weniger Kilometer auf dem Tacho, dennoch beeile ich mich, denn nach und nach zieht es sich zu. Kurz bevor ich das Tal verlasse, komme ich dann auch in einen kleinen Schauer. Doch der ist rasch vorbei und zurück bleibt eine unglaublich stickige Luft.
So erreiche ich Landeck, fahre wieder auf den Inntalradweg und relativ leicht erreiche ich nach etwas mehr als 150 Kilometer dann wieder Imst.
P.S. Die Gewitter ließen noch etwas auf sich warten, aber gegen Abend kamen sie dann doch. Und damit die Abkühlung...
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