24. Mai 2009 - Über´s Hahntennjoch und Fernpass
(110 Kilometer)
Link: Das Hahntennjoch auf Quäldich.de
Morgens Bewölkung, leichter Regen. Aber es sollte besser werden und erst am Nachmittag Schauer und Gewitter geben. Ich beschloss, mir also das Hahntennjoch anzuschauen. Schließlich war die Passstraße in diesem Jahr noch nicht freigegeben. Nirgendwo im Internet hatte ich Hinweise darauf gefunden, wo der Grund dafür lag, Lawinengefahr, beschädigte Straße oder was auch immer. Also, sagte ich mir, fahr doch mal ein Stück hinauf und dann sehen wir weiter.
Gesagt, getan. Direkt vom Gasthof Neuner an beginnt die Straße zu steigen. Es geht ziemlich gerade bergauf durch den Ort. Hinter den letzten Häusern dann ein Hinweisschild - Straße gesperrt wegen Murengefahr. Hm... Etwas weiter voraus sehe ich aber einen Radfahrer. Wenn der hier langfährt - und auf geht's.

Die Straße zieht sich durch Wald nach oben, flachere Passagen gibt es kaum, so um die 8%, schätze ich, sind es meistens, aber es gibt auch echt steile Rampen weit über 12%.
Den Radfahrer habe ich bald überholt und hinter mir gelassen. Kein Wort, dass man hier nicht hochfahren darf, er meinte nur trocken, dass wohl oben noch Schnee liegt und man mit der Räumung noch nicht begonnen hat...
Nach und nach wird die Sache interessanter. Ausblicke und Rückblicke werden möglich und ich verstehe auch, warum die Straße noch gesperrt ist. Fehlende, weil zerstörte Leitplanken, kleinere Murenabgänge auf der Straße und viel Schutt, Sand und Steine auf der Fahrbahn. Mit der nötigen Vorsicht für mich aber kein Problem.


Weiter oben wird irgendwann der Streckenverlauf erkennbar. Höher und höher geht´s hinauf, es wird immer anstrengender und auch kühler. Ab und zu Schneereste an der Seite.

Plötzlich rauscht völlig überraschend ein Radfahrer an mir vorbei, gehört habe ich den nicht. Wenn ich da grade einen Schlenker gemacht hätte...

Immer öfter mache ich Photos von der nun allmählich spektakulär werdenden Straße.




Im Rückblick wird auch erkennbar, an welchen Hängen sich die Strecke entlang zieht.




Im Rückblick wird der Hang erst richtig sichtbar, ich kann verstehen, dass diese Passage bei Gewittern gesperrt wird.
Dann bin ich oben, die Sonne kommt raus. Hier oben steht der Schlagbaum - das heißt dann doch, die Abfahrt ist frei. Spätestens jetzt fällt die Entscheidung, hier runter zu fahren und den langen Weg über Reutte und Fernpass zu nehmen. Das Joch zurück fahren bei dem vielen Kies auf der Straße, dazu habe ich wenig Lust...


Die Abfahrt ist toll. Logischerweise sehr wenig Verkehr, so richtig steil nur ganz oben, nach unten hin kann ich das Rad locker laufen lassen.


Relativ schnell treffe ich unten im Lechtal bei Elmen auf die Straße nach Reutte. Über 70 Kilometer liegen noch vor mir und ich bin etwas skeptisch, das ist doch ganz schön lang...

Die 25 Kilometer bis Reutte vergehen im Sonnenschein aber wie im Flug, dank eines kräftigen Rückenwindes.
In Reutte muss ich mich nun auf die Straße zum Fernpass machen und das heißt Autos ohne Ende... Vorher stärke ich mich an einer Tankstelle noch mit einem Liter Cola light und einem Eis. Dann geht´s los. Eigentlich ständig bergauf, das nervt etwas - aber noch mehr der Verkehr. Weniger die Tatsache, dass da ständig Autos an mir vorbeiziehen, die Straße ist meist recht breit, aber der Lärm....

So bin ich ganz froh, dass ich kurz vor Lermoos den Tunnel nicht nehmen darf und so einige Zeit Ruhe habe. Durch Lermoos geht's hindurch nach Biberwier, die Zugspitze meist im Blick.

Dann beginnt der letzte Anstieg und ich merke inzwischen die Kilometer in den Beinen. Es fängt auch an, leicht zu regnen...
Doch dann ist es geschafft, nachdem nochmals eine so gut wie kaum unterbrochene Schlange von PKW´s an mir vorbeizieht, leider auch viele Busse, da halte ich dann schon mal die Luft an. Der Pass selber, naja...

Abwärts rollt es erst gut. Dann plötzlich ein Stau. Nach zehn Minuten Stopp geht´s weiter und die Kolonne kommt bald an einem Kranwagen vorbei, der ein Motorrad auflädt. Da ist wohl der Fahrer von der Straße abgekommen und einen Abhang hinab geflogen... Krankenwagen sehe ich aber keinen, vielleicht hat er (oder sie) noch Glück gehabt...
Da sich nun die Autos endlos von unten hoch stauen, kann ich entspannt abfahren, überholen kann mich keiner. Bei Nassereith komme ich an der Abzweigung zum Holzleitensattel vorbei und die letzten 15 Kilometer sind mir von gestern bekannt. In Imst nach mehr als sieben Stunden Fahrzeit (mit Pausen) wieder angekommen, verziehen sich die Wolken und die Sonne beginnt zu strahlen....
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