1997 - Tessin und Zentralschweiz
Das Tessin hatte mir im Jahr zuvor so gut gefallen, daß ich ´97 im September noch einmal dorthin fuhr, diesmal wieder mit dem Auto, weil ich bis ins Tessin zwei Tage Bahnfahrt hätte rechnen müssen (und zwei zurück). Das war mir zuviel. In Locarno schlug ich direkt am See mein Zelt auf.

Blick auf Locarno vom Campingplatz aus
Das Wetter war zunächst gut. Angeregt von dem Fahrradreiseführer: "Radtouren im Tessin" von Daniel Anker (Bruckmann-Verlag) unternahm ich von Locarno aus eine ganze Reihe von Touren.
Zunächst fuhr ich am See entlang Richtung Italien. Am frühen Morgen strahlte die ganze Gegend in unzähligen Blautönen.

Blick von Ascona nach Süden, in der Mitte die Brisaggio-Inseln
Schließlich bog ich in Cannobio ab und es ging die Valle Cannobina hinauf und das Centovalli wieder hinunter. Landschaftlich schön gelegen, der Aufstieg nicht sehr schwierig, aber eine traumhafte Abfahrt durch das "Hundert-Täler-Tal". Viele Kurven, relativ wenig Verkehr, ein mäßiges Gefälle, so daß nur wenig gebremst werden muß und die Fahrt ein reiner Genuß ist.
Das Maggia-Tal war ich bereits im Jahr zuvor bis nach Fusio gefahren, diesmal wollte ich hinauf bis zum Lago Sambucco. Doch dieses Ziel erreichte ich nicht. Bis Fusio kam ich problemlos hinauf. Doch dann wurde es schwer. Etwa 8 Kilometer hinter dem Stausee wurd die Straße steil und schmal, es gab verrückterweise relativ viele Autos hier oben, die Sonne brannte sehr heiß, mit jedem Kilometer wurde auch die Abfahrt länger - kurz: ich kehrte um und fuhr zurück. Dies war die bisher einzige Tour, die ich abgebrochen habe und die Enttäuschung war dementsprechend groß. - Damit der Tag nicht eine völlige Enttäuschung wurde, bog ich bei Bignasco ab und fuhr noch ein Stück ins Val Bavona bis zum Wasserfall in Foroglio. Und in der Tat, dies stellte eine Entschädigung für die abgebrochene Tour da, denn die Tessiner Häuser in Ritorto begeisterten mich und ich machte etliche Photos.


Zwei Tessiner Häuser in Ritorto
Die Alpe di Neggia und Indemini waren mein nächstes Ziel. Leider regnete es fast die ganze Fahrt über, aber so richtig zu schütten begann es erst, als ich einen Teil des Anstiegs hinter mir hatte und nicht mehr umkehren wollte. Es war eine gespenstige Fahrt in strömenden Regen, mitten in Nebel und Wolken. Ich war über weite Strecken völlig allein, nur eine paar Baustellenfahrzeuge begegneten mir. Oben angekommen, ließ der Regen auf der Abfahrt nach.

Die Passhöhe auf 1395 Meter in Wolken
Trotzdem lohnte ein intensiverer Besuch des Touristenortes Indemini nicht. Schade. Die Abfahrt hinunter zum See war allerdings wieder große Klasse. Es wurde trockener und trockener, unten am Lago Maggiore angekommen herrschte eine schwüle Hitze.

Auf der Abfahrt von der Alpe di Neggia
Einen Ausflug unternahm ich nach Lugano, fuhr am Lago Lugano entlang. Faszinierend das Dorf Morcote. Eigentlich wäre die Gegend um den Lago Lugano einen eigenen Urlaub (mit Rad) wert!

In Morcote
Später am Tag unternahm ich mit dem Rad einen Ausflug ins weiter im Süden liegende Muggio-Tal. Eine schöne Rundstrecke mit sehr wenig Verkehr, dafür aber einigen extrem giftigen Steigungen. Faszinierend die Kastanienwälder mit ihrem ganz eigenen Grün. Leider war es sehr dunstig an diesem Tag, so daß die Aussicht eingeschränkt und damit auch die Photos nicht so schön wurden. Ich stellte mir nur immer wieder vor, wie es hier aussehen würde, wenn im Frühling die ganzen Kastanien blühen...
Auf der Rückfahrt Richtung Deutschland standen noch Touren in der Zentralschweiz auf dem Programm. Zunächst kletterte ich von Airolo den Gotthardpaß hinauf, fuhr hinten Richtung Göschenen hinunter und kehrte mit dem Zug durch den Tunnel nach Airolo zurück. Eine faszinierende Unternehmung! Die Trassenführung der unzähligen mit Kopfsteinen gepflasterten Strasse war atemberaubend. Da ich bergauf fuhr, störte mich das Pflaster nicht. Allerdings stellte ich mir eine Abfahrt hier hinunter ziemlich "rappelig" vor.

Kopfsteinpflaster auf der alten Gotthardstrasse
Getrübt wurde das Fahrgefühl lediglich durch einen starken und kalten Westwind, der je Fahrtrichtung mal Rücken-, dann wieder Gegenwind bedeutete.
Grauselig dagegen oben die Passhöhe mit dem alten Hospiz und unzähligen Autos und Bussen.

Die Passhöhe sieht auf dem Photo schöner aus als in Wirklichkeit...
Ein Erlebnis dagegen - trotz eisiger Finger (Handschuhe lagen natürlich im Auto...) die Abfahrt über Andermatt hinunter nach Göschenen durch die Teufelsschlucht mit ihrer verwinkelten Streckenführung.
Ursprünglich hatte ich geplant, diesen Urlaub mit der Drei-Pässe-Fahrt (Grimsel, Furka, Susten) zu beenden. Doch auf der Fahrt mit dem Auto nach Brienz über Furka und Grimsel erschreckte mich der ungeheure Autoverkehr auf dem Furka-Pass.

Auf dem Grimselpaß (leider nur mit dem Auto)
Erinnerungen an die Fahrt über den Fernpass 1994 wurden wach und ich beschloß, die Finger von dieser Tour zu lassen, zumal ich abends in Baden mit einem Freund verabredet war, also die Tour unbedingt an einem Tag hätte schaffen müssen...

Morgens am Brienzer See
So fuhr ich zum Abschluß von Meiringen aus auf den Sustenpass und bereute es nicht.
Blick zurück, kurz vor der Passhöhe
Erneut eine faszinierende Trassenführung, traumhafte Ausblicke, gutes warmes Wetter, weniger Wind als am Tag zuvor. Die Passhöhe selbst - naja, aber die Abfahrt bei maximal 11% und einer gut übersichtlichen Strasse war einfach rasant! Brauchte ich hinauf 2:50 Stunden, waren es hinab gerade mal 50 Minuten...

Die Passhöhe
Ich kam so gut voran, daß ich beschloß, auf der Abfahrt noch einen Abstecher zur Engstlenalp zu machen. Hätte ich gewußt, was da auf mich zukommt, hätte ich allerdings die Finger davon gelassen. Zum Schluß hin ziemlich steil und andauernd bergauf, schwanden mir von Minute zu Minute die Kräfte, schließlich hatte ich schon den Susten-Pass erklommen. Mit etlichen Pausen und gelegentlichem Schieben (!!) gelang es mir dann doch noch, die Alp zu erreichen und genoß noch einmal die wunderbare Bergwelt der Zentralschweiz.

Am Engstlensee
Auch die lange und schnelle Abfahrt hinunter war mit vielen optischen Höhepunkten versehen, so daß diese Tour ein schöner Abschluß dieses Urlaubes darstellte.

Abfahrt von der Engstlenalp

