1996 - Von Freiburg bis ins Tessin und zurück
In diesem Jahr war alles ganz anders. Erstmals war ich ohne Auto unterwegs. Dies war eine ganz neue Herausforderung. Das ganze Gepäck mußte auf´s Rad. Mit dem Zug kam ich Mitte Mai nach Freiburg. Von dort aus fuhr ich am nächsten Tag bei bedecktem Himmel durch den Schwarzwald (Titisee, Schluchsee) über Koblenz am Rhein Richtung Zürich bis Killwangen. Dort angekommen, begann es zu schütten. Dennoch war ich zufrieden, das Gepäck hatte ich kaum gespürt. Am darauffolgenden Morgen ging es bei leichtem Regen Richtung Süden, am Vierwaldstättersee entlang.
Am Vierwaldstättersee
Danach fuhr ich die Axenstraße hinauf bis nach Schattdorf kurz hinter Alsfeld.
Blick von der Axenstrasse zurück auf Brunnen
Das Wetter blieb den ganzen Tag über schlecht, wenig Aussicht, viele Wolken, Nieselregen, Novemberstimmung im Mai. In Schattdorf fand ich schnell eine Unterkunft, nachdem ich zunächst eigentlich vorhatte, noch ein Stück den Gotthard hinaufzufahren. Zum Glück ließ ich das, denn nicht einmal eine Stunde nach meiner Ankunft begann es aus Eimern zu schütten und das hielt die ganze Nacht über an.
Am nächsten Tag goß es immer noch. In strömenden Regen fuhr ich den Gotthard hinauf bis nach Göschenen. Weiter ging´s nicht mehr, Schnee versperrte weiter oben den Paß.
Bahnhof Göschenen - hinten die Tunneleinfahrt
Also fuhr ich mit der Bahn durch den Tunnel - und kam in die Sonne. Das Gefühl, als der Zug den Tunnel verließ und die Sonne schien, war unbeschreiblich. Ich raste mit dem Rad die Leventina hinunter nach Locarno. Dabei wurde es immer wärmer, war ich morgens noch dick bekleidet gestartet, so hatte ich in Locarno nur noch Radlerhose und T-Shirt an.
Ich fand schnell eine Unterkunft, zog mich um und setzte mich einige Stunden an den Lago Maggiore in die Sonne. Viel später, am Silvesterabend 1996, dachte ich im Gottesdienst mit der Gemeinde über das vergangene Jahr nach und überlegte, welches der schönste und welches der schlimmste Tag des Jahres gewesen war. Für mich war da klar: das schönste Erlebnis des Jahres 1996 war diese wunderbare Abfahrt hinunter ins Tessin und die Stunden dort am Ufer des Sees.
Blick auf den Lago Maggiore Richtung Ascona (hinten)
In den nächsten Tagen fuhr ich in der Gegend herum. Zunächst kam ich ins Verzasca-Tal. Abgesehen von der Lavertezzo-Brücke fand ich das Tal allerdings wenig berauschend.
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Die mächtige Staumauer am Eingang des Verzasca-Tales
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Die berühmte Lavertezzo-Brücke
Dann fuhr ich das Maggia-Tal hinauf bis nach Fusio, wobei mich die unglaubliche Trassenführung hinter Peccia faszinierte.
Ich radelte am Lago Maggiore entlang bis kurz vor die italienische Grenze und wieder zurück.
Wunderbare Tage, Sonnenschein, warm. Morgens fuhr ich Rad, nachmittags setzte ich mich mit einem Buch an den See, las und schaute den Menschen zu, die dort spazierengingen.
Als ich mich Richtung Simplon aufmachte, schlug das Wetter wieder um. In strömendem Regen fuhr ich durch das Centovalli, nachdem ich morgens nach dem Packen einen Plattfuß registriert hatte. Alles wieder runter, Schlauchwechsel im Dauerregen, schlechte Laune. Vom Centovalli sah ich nicht viel und auch auf der Abfahrt nach Italien ließ der Regen nicht nach.
Auf der Abfahrt nach Domodossola
Den Simplon hinauf kam ich bis zur Iselle di Traqsuera. Der Regen nahm immer mehr zu und es wurde daher ziemlich qualvoll, weil nach und nach die Kleidung und die Schuhe klatschnaß wurden.
Der (heute) kleine Bahnhof Iselle di Trasqera am Simplontunnel
Dort hatte ich absolut genug vom Regen, erkundigte mich radebrechend auf "italienisch" nach dem nächsten Zug, der zum Glück bald kam, bevor ich völlig durchgefroren war. Der Zug brachte mich zunächst durch den Tunnel bis Brig (der Schaffner meinte auch nur grinsend, es wäre wohl nicht der richtige Tag, um auf den Simplon mit dem Rad zu fahren...) und dann weiter durch den Lötschberg bis nach Kandersteg brachte. Dort war das Wetter wieder gut, das Regengebiet südlich war zwar zu erkennen, kam aber nicht über die Berge.
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Kandersteg - Blick zurück nach Süden
Ich fuhr gemütlich in der warmen Abendsonne hinunter bis nach Spiez am Thuner See, suchte mir eine Unterkunft und ging am See essen. Das war schon einreichlich verrückter Tag.
Die Atmosphäre war ganz hier anders als am Lago Maggiore. Hier war nichts von der südländischen Fröhlichkeit zu spüren, alles war nüchterner und ruhiger.
In Spiez am Thuner See
Ich fuhr noch nach Grindelwald, sah aber vom Eiger wenig wegen vieler Wolken. Der Regen drängte von Süden her an die Berge.
Am nächsten Tag machte ich mich auf den Rückweg. Und wieder holte mich der Regen ein. In einer wahnwitzigen Tour fuhr ich an einem Tag vom Thuner See bis nach Freiburg, unterbrochen nur mit einer kurzen Bahnfahrt von Olten bis nach Basel. 170 Km fast nur im Regen, eine furchtbare Tour - wenn auch von Basel bis Freiburg mit kräftigem Rückenwind. Völlig durchnäßt kam ich in Freiburg an. Trocken war wirklich nichts mehr. Ich blieb noch einen Tag in Freiburg und dann gings mit dem Zug zurück an den Niederrhein.






