1995 - Südtirol
Ein Jahr später war ich wieder in Südtirol, diesmal wieder im Juni. Als ich über den Reschenpaß fuhr, goß es in Strömen. So hatte mich Südtirol noch nie begrüßt. Ich stellte mich mit meinem Bus auf einen Campingplatz in Prag und begann zu befürchten, daß der erste und eigentliche Höhepunkt dieses Urlaubes, eine Fahrt übers Stilfser Joch, eventuell buchstäblich ins Wasser fallen könnte.
Doch am nächsten Morgen war das Wetter wider Erwarten einigermaßen gut. Es waren zwar viele Wolken am Himmel, aber es regnete nicht und die Sonne schien. Ich stieg auf´s Rad und fuhr los. Zunächst ging alles sehr glatt. Ins Tal hinein geht es gleich gut bergauf. Obwohl ich erst einen Tag zuvor in den Alpen angekommen war und mich an die Höhe nicht gewöhnt hatte, ging es sehr gut voran.
Erste Rast auf 2068 Meter
Die ersten tausend Höhenmeter lief alles gut. Die ersten zwanzig der ingesamt 48 Kehren bereiteten mir keine Probleme. Dann wurde das Wetter schlechter, die Sonne verschwand, es begann leicht zu regnen. Inzwischen war ich in eine Höhe gekommen, in der noch jede Menge Schnee lag.
Hier wäre fast Schluß gewesen. Im Hintergrund sind die weiteren Kehren schemenhaft zu erkennen.
Bei Kehre 24 wäre ich fast umgekehrt. Das Schneetreiben wurde immer dichter, der Weg nach oben schien unendlich weit zu sein. Zum Glück war sehr wenig Autoverkehr.
Dies hatte ich lange Zeit vor Augen...
Doch ich sagte mir: noch eine Kehre, noch ein paar hundert Meter. Die Sicht wurde zeitweise sehr schlecht, aber zwischendurch ließ der Schneefall auch mal nach, so daß ich die unglaubliche Aussicht "genießen" konnte. Irgendwann passierte ich einen kleinen Lawinenabgang, der in der Nacht die Straße leicht verschüttet hatte. Schiebend konnte ich den Schneeberg überwinden, die Autos mußten warten, bis der Schneepflug seine Arbeit beendet hatte.
Faszinierender Blick zurück
Und so quälte ich mich weiter nach oben. Kurz unter dem Gipfel war die Sonne bereits durch die Wolken zu erkennen und auch die Passhöhe geriet in Blick.
Die letzten Kehren
Meine Lunge pfiff zwar unglaublich (bei über 2700 Meter kein Wunder) und die Abstände zwischen den Pausen wurden kürzer, doch ich kam tatsächlich oben an. Eine junge Frau gratulierte mir, das tat gut.
Endlich oben!!
Die Aussicht mit Hotels und Buden war gräßlich, also zog ich ein paar Pullover drüber und stürzte mich den Umbrailpaß hinunter. Leider hatte ich die Handschuhe vergessen, so daß mir die Finger fast abfroren... Dennoch kam ich stolz nach 4 Stunden 45 Mintuen wieder in Prad an. Und danch begann es auch gleich wieder wie aus Eimern zu schütten.
In strömendem Regen verließ ich am nächsten Tag Prad und fuhr bei besser werdendem Wetter an den Kalterer See.
Der Lago di Caldara, von Norden aus gesehen
Dort angekommen, beschloß ich, nur "so zum Spaß" (daher hatte ich auch die Kamera nicht dabei) mal auf den Mendelpaß zu fahren. Heraus kam eine 90 Km Tour durchs Val di Non wie zwei Jahre zuvor. Ich genoß die Fahrt wie zwei Jahre zuvor, die Abfahrt durchs Val di Non ist einfach traumhaft! Einen kleinen Abstecher unternahm ich nach San Romedio, einer kleinen Wallfahrtskirche, die schon aufgrund ihrer höchst komplizierten Baugeschichte einen Besuch lohnt!
Von Kaltern aus unternahm ich eine Radtour ins Ultental. Mit knapp 150 Km Länge wurde es die bis dahin längste Tagestour meines Lebens. In Lana biegt man ab und muß zunächst über einige Kehren ins Tal hinein kommen. Danach verläuft die Strecke lange Zeit ohne starke Anstiege. Ein wunderbares Tal, hinten immer enger und lieblicher werdend mit viel Wasser und Tannen.
Im Ultental, vor St. Getrud
Ist dann St. Gertrud erreicht, beginnt der brutale Anstieg zum Weißbrunnsee. Auf wenigen Kilometern werden auf einer ziemlich schmalen Straße mit relativ viel Autoverkehr 750 Höhenmeter überwunden, die Steigung liegt dabei um 16%. Meter um Meter quälte ich mich nach oben bis ich den See endlich erreichte.
16% Steigung...
Die Abfahrt war zunächst wegen des starken Gefälles schwierig, dann wunderschön. Bis nach Kaltern zurück zog sich die Strecke dann allerdings durch die Plantagen des Unterlandes, schließlich spürte ich die Kilometer ganz schön.
Eine weitere Tour vom Kalterer See führte über das Lavazejoch. Landschaftlich reizvoll, allerdings mit einer sehr giftigen Steigung hinauf zum Joch und mit einer langen Abfahrt zurück (teils mit starkem Autoverkehr). Eigenartiger Weise gibt es von dieser Tour keine Photos.
Den Abschluß des Urlaubes bildete die Umrundung der Sella mit den Pässen: Grödnerjoch, Campolongo, Pordoij und Sella. Ich startete früh am Morgen etwa auf Höhe des Hotels Miramonti. Traumhaftes Wetter, tolle Aussicht und eine wunderbare Tour. Das Grödnerjoch war schnell erreicht, es ging noch schneller hinunter nach Corvara und von dort die wenigen Kilometer hinauf auf den Campolongo und von dort bis Arraba. Bis dorthin war kaum Verkehr. Beim Anstieg zum Pordoijjoch über die 33 Kehren änderte sich dies zwar, aber die Straße ist gut ausgebaut.
Kurz vor dem Pordoijjoch
Vom Pordoijjoch ging es dann abwärts bis zum Abzweig zum Sellajoch. Dort hinauf geht die Fahrt zunächst unter ungeheuren schwarz-gelben Felswänden, bis dann weiter oben nach und nach der Langkofel auftaucht. Das Sellajoch war dann auch schnell erreicht und kurz danach war diese Tour und damit der Urlaub zu Ende.
Auf dem Sellapass, Blick auf den Langkofel
Von der Vielzahl der Kontraste hatte dieser Urlaub alles geboten: Dauerregen, Schnee und Kälte am Anfang, strahlendes Sommewetter mit großer Hitze und wunderbarer Sicht, schließlich verabschiedete mich Südtirol am nächsten Tag mit großer Schwüle und Gewitter.










