1993 - Südtirol
Am 5. Juni 1993 wurde ein viele Jahre alter dreifacher Traum für mich war:
- ich fuhr zum ersten Mal allein in Urlaub und zwar
- mit dem Rad und
- es ging nach Südtirol.
2000 Trainingskilometer war ich am flachen Niederrhein heruntergestrampelt, dann wagte ich mich in die Alpen. Als ich am Abend des 5. Juni noch ein wenig mit dem Rad in der Umgebung von Mittenwald herumfuhr, war das schon ein unglaubliches Gefühl. Ich mit dem Rad in den Bergen! Die Gegend war mir seit meiner Kindheit vertraut, hier war ich schon mit meinen Eltern und später auch mit meiner Frau im Urlaub gewesen, aber immer nur zu Fuß oder mit dem Auto. Und jetzt mit dem Fahrrad.
Am nächsten Morgen unternahm ich meine erste Bergtour von Mittenwald aus durch die Leutasch und über Seefeld zurück zum Ausgangsort. Zunächst ging alles gut, ins Leutaschtal hinein und hinauf zum Buchensattel und hinunter nach Bairbach. Dann allerdings wäre ich fast zusammen gebrochen, so schwer war der Anstieg zum Möserner Sattel. So hatte ich mir das nicht vorgestellt! Ich hatte keinerlei Erfahrung, wußte nichts von einem ruhigen Rythmus und so keuchte ich den Hang nach Seefeld hinauf.
Einen Tag später in Südtirol wurde es besser. Von Toblach aus fuhr ich durchs Höhlensteintal nach Misurina und dann über den Tre-Croci-Pass, Cortina und den Gemärkpaß zurück nach Toblach. Glänzendes Wetter, viel bessere Kondition, viel mehr Ruhe beim Fahren, ich hatte die Konsequenzen aus dem Fiasko vom Vortag gezogen - von da ab wußte ich, daß ich es schaffen würde.
Es folgten noch Touren durchs Grödnertal (im strömenden Regen), eine kleine Tour von Astfeld im Sarntal zum Durnholzer See (wundervolle Strecke, stets bergauf, aber belohnt durch die Aussicht am See) und meine "Königsetappe" mit etwa 90 Kilometern: vom Kalterer See aus den Mendelpass hinauf (kein Problem aber tolle Aussicht) und das Val di Non hinunter nach Mezzacorona (traumhafte Abfahrt!).
Der Urlaub war eine tiefe persönliche Erfahrung für mich. Das Allein-Sein fiel mir sehr schwer, obwohl ich genau dies wollte. Niemand zum Gespräch, keine Ablenkung von den eigenen Gedanken. Ich dachte sehr viel nach über mich und mein Leben. Und ich erholte mich dreimal besser als in anderen Urlauben mit der Familie. Mir war klar, daß ich diese Erfahrung unbedingt wiederholen wollte und würde.
Von diesem ersten Urlaub gibt es keine Bilder, ich hatte keine Kamera mitgenommen. Ich weiß nicht mehr warum. Wahrscheinlich wegen des Gewichts...
