Abschlussfahrt zum Würzjoch und durch das Villnößtal (26. Juni)
68 Kilometer
Die Nacht war zunächst sehr warm. Gegen Morgen kam dann starker Wind auf, die angekündigte Kaltfront. Von klappernden Fensterläden wache ich auf. Im Halbschlaf denke ich, ob das heute was mit Radfahren wird...
Als ich dann aufstehe, seht es garnicht so schlecht aus. Sonne, der Regen hat die dunstige Luft fortgespült. Ich also sofort auf´s Rad und los geht es Richtung Würzjoch.
Der erste Halt ist bei der schönen Pfarrkirche von St. Andrä.
Immer weiter geht es dann durch meist dichten Wald bergauf. Nicht schwierig. Ich hänge so meinen Gedanken nach, trete mehr oder weniger mechanisch.
Dann endlich liegt der Wald erst einmal hinter mir und in den morgendlichen Wolken tauchen die Geislerspitzen auf. Was für ein Anblick! Ich vergegenwärtige mir noch einmal, wo ich in diesem Jahr gestartet bin, in der Zentralschweiz, und jetzt sehe ich die Dolomiten...
Höher und höher geht es ohne besondere Anstrengung. Immer wieder halte ich an und mache Photos. Dann kommt Palmschloss und die Kreuzung. Links geht es Richtung Kreuztal/Plose, rechts bzw. geradeaus führt der Weg zum Würzjoch.
Leider erst einmal berab. Entschädigt wird der Verlust an bereits gewonnenen Höhenmetern durch die bizarren Dolomiten direkt vor mir. Und auf der anderen Seite der platte Wiesenhügel der Plose. Vor tausend Jahren (oder so) bin ich oben mal mit meiner Frau spazieren gegangen...
Dann geht es wieder bergauf. Die Abzweigung zum Villnößtal wird erreicht, diesen Weg werde ich nachher einschlagen. Doch zunächst will ich zum Würzjoch.
Es geht erst etwas bergauf - und dann zu meinem ganzen Frust eine ganze Weile bergab. O nein denke ich, was ist das denn, darauf bist du aber nach der Fahrt über den Jaufen gestern garnicht eingestellt...
Doch es hilft nichts. Über 80 Höhenmeter verliere ich so. Der restliche Anstieg ist dann erstaunlich anstrengend. Es liegt allerdings wohl weniger an der Streckenführung als an meinen Muskeln. Nach über 500 Kilometern in sechs Tagen ist die Grenze erreicht. Ich quäle mich die letzten Meter nach oben zum Würzjoch. Nehme die Gelegenheit gerne wahr, das eine oder andere Photo zu schießen.
Oben erwartet mich, na was schon: eine der üblichen grausamen Passhöhen mit wenig Aussicht und unzähligen Motorradfahrern.
Nichts hält mich hier, ich drehe sofort um und rase den Berg wieder hinunter.
Der Gegenanstieg fält mir erstaunlicherweise nicht schwer.
So erreiche ich schnell die Abzweigung ins Villnößtal. Vor mehr als zwanzig Jahren (?!), als ich zuletzt im Villnößtal war, gab es diese Strasse noch nicht. Ich war gespannt.
Und es wurde ein toller Abschluss einer spannenden Radreise. Steil geht es bergab, teils mit 13% Gefälle. Aber mehr und mehr geraten die Geislerspitzen in den Blick. Wenn auch die Witterung diesig ist, die Aussichten sind toll.
Kurz vor St. Peter mache ich dann die letzten Photos. Es folgt die rasante und geile Abfahrt von 10 Kilometern bis hinunter ins Eissacktal. Dann noch 7 Kilometer bei großer Hitze bis zurück nach Brixen. Und das war es dann auch schon wieder...
