Von Sils Maria über den Ofenpass nach Meran (23. Juni)
160 Kilometer
Nachts hatte es noch gewittert, aber am Morgen war schönes Wetter. Aber recht frisch, so dass ich dick eingepackt die lange Strecke nach Meran in Angriff nahm.
Bis Samedan passiert nichts aufregendes, ich war die Strecke ja auch schon am Vortag gefahren. Dann wechsle ich auf den Radweg, der weitab von der Hauptsrasse meist idyllisch durch Wiesen und Felder verläuft.
Später fahre ich dann aber doch auf der Strasse weiter, da der Radweg von nun an recht abwechslungsreich werden soll (was das auf und nieder anbetrifft).
Bis Zernez ist es angenehm zu fahren. Meist leicht bergab, keine LKW (es war Samstag). Erst nach Zernez hinunter wird es steiler, und nun überholen mich ganze Scharen von alten Mercedes-Autos, deren Motoren teils ganz schon rören (und stinken).
Dann kommt Zernez, wird durchfahren und dann geht es gleich steil bergauf. Eine erste Prüfung meiner Kondition. Wird bestanden, geht ganz gut. Bei weitem nicht so anstrengend wie zwei Tage zuvor. Es ist aber auch angenehm warm und nicht so heiß. Bis Ova Spin hält die Steigung mehr oder weniger an.
Dann geht es leider erst mal wieder eine Zeitlang bergab, bis zur Abzweigung nach Livigno. Dort lese ich auch zum ersten Mal den Namen meines heutigen Zielortes auf einem Schild.
Hinter der Kreuzung geht es dann einige Zeit wieder steil hoch.
Aber dann wechseln Steigungen mit Flachstücken, bis zum Hotel Bufforolla.
Danach wird es noch mal richtig hart, die letzten zwei Kilometer sind sehr steil, so 10-12 Prozent.
Ein kurzer Blick immer auch mal zurück.
Doch dann bin ich oben. Die Passhöhe lädt nicht zum Verweilen ein, mein Weg ist auch noch weit.
Steil geht es jetzt St. Maria und Müstair entgegen. Eine rasende Abfahrt, später mit ziemlichen Gegenwind.
Die Grenze wird überfahren und auf einem Schild steht "Meran 80 Km". Hoffentlich habe ich im Vinschgau nicht auch noch Gegenwind, schießt mir durch den Kopf...
An einem Brunnen mache ich noch mal Rast und fülle die Flaschen auf.
Dann bin ich "unten". Toller Blick Richtung Norden.
Ich folge dem Schild "Prad" und erinnere mich daran, wie ich 1995 auf der selben Strasse nach der Fahrt über das Stilfser Joch und den Umbrail hier dem Campingplatz entgegengefahren bin. Hinter Prad wechsle ich auf den Vinschgauradweg.
Und nun folgt die Überraschung des Tages. Der Radweg ist bis auf wenige Kilometer sehr gut ausgebaut und verläuft weitgehend abseits der unglaublichen lauten und vielbefahrenen Staatsstraße. Am Wasser entlang, dann wieder durch Apfelplantagen, wunderbar!
Erst weiter unten wird es anstrengend. Weniger vom Radweg her, vielmehr wird es immer wärmer und schwüler, und ich merke die Kilometer inzwischen.
Hinter Partschins wird die Staatsstrasse überquert, es geht steil nach Algund hinab und dann ist auch schnell Meran erreicht.
Noch ein paar Kilometer durch die Stadt nach Obermais und nach 160 Kilometern erreiche ich mein Hotel. Rein ins Zimmer, raus aus den Klamotten, rein in die Badehose und ab ins Schwimmbad zum Abkühlen.
