Von Meran über den Jaufenpass nach Brixen (25. Juni)
95 Kilometer
Nach der nicht ganz geglückten Fahrt über den Albula war ich ja schon skeptisch, ob ich es mit Gepäck über den Jaufen schaffen würde. Lag es dort an der Höhe? An der zu kurzen Akklimatisierung? Oder einfach nur an Regen und Kälte? Das war mir nicht klar. Und der Jaufen stellte mich vor eine ähnliche Herausforderung, erneut so um die 1800 Höhenmeter...
Aber nach dem Ruhetag sagte mir mein Bauchgefühl: das klappt schon. So stieg ich früh morgens auf´s Rad, verabschiedet vom freundlichen Chef des Hotel´s Annabell, der nicht so ganz zu glauben schien, dass ich das ernst meinte, mit Gepäck über den Jaufen nach Brixen fahren zu wollen.
Das Wetter war noch gut, Gewitter und eine Verschlechterung waren aber angekündigt. Zunächst fuhr ich recht lange auf dem Radweg durch Passeiertal, der abseits der SS 44 verläuft. Ein Schotterweg, der aber bis auf ein paar Stellen gut zu befahren ist. Erst kurz vor St. Leonard verließ ich den Radweg, weil eine Umleitung zwar angezeigt wurde, ich dieselbe aber nicht fand.
St. Leonard war trotzdem schnell erreicht. Mein Pulsschlag war schon leicht erhöht, was würde mich nun erwarten und was würden meine Muskeln und Knochen sagen? Um es vorweg zu nehmen: erstaunlich gut bin ich auf den Jaufen hinauf gekommen.
Die Steigung war zwar durchaus anstrengend, aber ich glaube, nie über 10%. Immer wieder auch mal etwas flachere Passagen, weitgehend im Wald verlaufend. Und: es war mehr oder weniger bewölkt und so war es auch von der Temperatur her eher angenehm, immer so um die 22 Grad.
Drei Stunden brauche ich, um mich, mein Rad und das Gepäck nach oben zu bekommen. Ich halte zwar oft an, um Photos zu machen, aber nicht einmal flattert die Lunge so wie am Albula.
Ich habe diese Auffahrt daher eher genossen, von Quälerei keine Spur, obwohl mich ein mich überholender Radfahrer auf mein Trikot von Quäldich.de ansprach. Nur die Massen an Fliegen, die mich von etwa 1500 Metern an bis zur Passhöhe begleiteten, die nervten etwas. Sicherheitshalber habe ich alle Photos doppelt und dreifach gemacht, damit nicht irgendeine blöde Fliege grade durchs Bild flog.
Immer wieder schaue ich zurück, St. Leonard ist winzig klein.
Und ich fühle mich an einigen Stellen dem Himmel so nah....
Die Passöhe ist dann erreicht, wie üblich halte ich mich hier nicht lange auf.
Die Abfahrt ist auch faszinierend, erst durch die kargen Wiesen, dann durch Nadel- und später durch Laubwald. Nur an einigen Stellen ist der Straßenbelag katastrophal, aber ich glaube, es wird dran gearbeitet. An zwei Stellen jedenfalls war eine Baukolone am Werk.
Unten wird Sterzing garnicht erst durchfahren. Gleich geht´s rauf auf dem Radweg.
Was ich bitter bereue. Zwar ist der Weg nur an einigen Stellen nicht asphaltiert, dafür aber geht es ständig auf und ab. Irgendwann habe ich dafür nicht mehr die Nerven (und die Kraft) und radle die letzten Kilometer auf der Staatsstraße Brixen entgegen. Was auch kein Problem ist, da die Strasse breit ist und meist einen gut befahrbaren Seitenstreifen hat.
Von schlechtem Wetter ist hier keine Spur zu sehen. Das Thermometer zeigt über 30 Grad. Ich suche mein Hotel und abends eine Pizzeria und beschließe, nach dieser Leistung mit einem Tabu zu brechen, dass ich seit etlichen Jahren auf meinen Radtouren einhalte: kein Alkohol! Und das erste Bier hat vielleicht gezischt....!

