Von Flims über den "halben" Albula nach Sils Maria (21. Juni)
78 Kilometer
Nachts zogen die erwarteten Gewitter auf. Am Morgen regnete es dann. Mal mehr, mal weniger. Doch was hilft es, ich muss auf´s Rad und hinüber ins Engadin.
Die Abfahrt hinab ins Rheintal nach Reichenau ist noch ganz angenehm. Meistens regnet es leicht oder tröpfelt nur. Die Aussichten sind grandios düster.
Ich überquere den Rhein und es geht Richtung Bonaduz und Thusis. Und jetzt geht es richtig los. Blitz und Donner, Platzregen. Immerhin, ich habe überhaupt keine Probleme beim Bremsen, trotz des vielen Wassers auf der Felge.
Thusis wird erreicht und durchfahren. So einigermaßen trocken.
Doch dann, Richtung Tiefencastel rauscht das nächste, heftige Gewitter heran. Zwei Tunnel muss ich durchfahren, bei dem vielen LKW-Verkehr kein Vergnügen. Es gibt zwar einen Fußgängerweg, den auch die Radfahrer benutzen sollen, aber er ist teilweise so schmal, dass ich Angst habe entweder die Wand zu berühren oder auf die Straße zu rutschen.
Weiter geht es. Die Steigungen wechseln mit Abfahrten ab, so gewinne ich nur langsam an Höhe.
Hinter Tiefencastel kommt das nächste, furchtbar laute Gewitter. Mir wird ein wenig mulmig. Glücklicherweise konnte ich mich diesmal unterstellen. Eine Esspause war sowieso fällig.
Spätestens hier gebe ich die Hoffnung auf, ich könnte über den Abula HEUTE mit dem Rad fahren. Kurz überlege ich sogar, zurück nach Tiefencastel und dort in den Zug nach Samedan zu steigen.
Doch der Regen läßt nach und weiter geht es. Es bleibt jetzt länger weitgehend trocken. Ich fahre an Filisur vorbei und nehme den Anstieg nach Bergün in Angriff. Bis dahin will ich noch kommen.
Aber es wird richtig hart. Steigungen mit 10-12% verlangen mir alles ab. Das Gepäck verlangt seinen Tribut.
Ich quäle mich nach oben und mache an einigen Stellen die gleiche Erfahrung wie ein Jahr zuvor am Stilfser Joch: ich fange im Anstieg an zu frieren. Dazu bin ich vom Schweiß her klatschnaß, trotz der absolut dichten Regenkleidung. Ich müßte mal an ein trockenes Shirt kommen, doch wie soll das bei dem Regen gehen?! Spass macht das alles nicht mehr.
Endlich erreiche ich Bergün, kaufe eine Fahrkarte und wärme mich eine halbe Stunde im Warteraum auf. Paradoxerweise fängt jetzt die Sonne an zu scheinen. Allerdings nicht für lange.
Der Zug kommt, ich rein und in Samedan wieder raus. Natürlich regnet es erst mal. Aber auf dem Weg nach Sils Maria läßt der Regen mehr und mehr nach. Kurz vor Sils kommt dann sogar die Sonne raus. Kopfschütteln. Dann ist es geschafft und ich beziehe mein Quartier im ziemlich teuren, aber super ausgestatteten Hotel Post (mit eigenem Dampfbad).
P.S. Erst am Abend erfahre ich, das ich doch ziemlich Glück gehabt habe mit dem Wetter, trotz des vielen Regens. In einigen Teilen der Schweiz waren es die schlimmsten Gewitter seit Jahren und am späten Vormittag zwang ein nach Nordosten ziehender Hagelsturm im Tessin die Tour de Suisse zum Abbruch (und späteren Neustart einer verkürzten Etappe). Und nun ja, das Tessin ist nun wirklich nicht so weit weg gewesen von mir...
