Matthias Jung

 

 

 

Stilfser Joch (13. September)

 

Vor elf Jahren (1995) war ich schon einmal über das Stilfser Joch gefahren, das wollte ich nun wiederholen, da die Wetterbedingungen damals ungünstig waren und ich vom Ortler wenig gesehen hatte.

Nachdem zu Beginn unseres diesjährigen Urlaubes das Wetter prächtig war, schlug es pünktlich zur geplanten Tour um. Dichte Bewölkung, Nieselregen und die Aussichten waren schlecht... In Prad angekommen gab ich die Hoffnung auf eine Radtour auf über 2700 Meter schon auf, so düster und wolkenverhangen lag der Ort da. Ich sagte mir, na gut, wenn schon nicht mit dem Rad, dann fahre ich wenigstens mit dem Auto auf´s Joch, schließlich hatte ich mich jetzt schon durch das Vinschgau hinter LKW, Obsttraktoren und deutschen Urlaubern hergequält. 

Ich fuhr also los mit dem Wagen und überholte erst einen Radfahrer, dann noch einen, dann sah ich eine ganze Gruppe, die sich an einem Parkplatz gerade bereit machte. Da dachte ich bei mir: die haben doch bestimmt auch alle einen Wetterbericht gelesen, so viele können nicht irren, ich probier mal und schaue, wie weit ich komme.

Gesagt, getan.

Ich steuerte direkt an der Stilfserbrücke einen Parkplatz an, zog das geliehene Mountainbike aus dem Kofferraum und los gings.

Sofort Steigung um die 10%. Kühle Luft, kein Wind. Geht gut voran. Ich erreiche schnell Gomagoi und Trafoi. Die Steigung läßt nicht nach, im Gegenteil, an einigen Stellen nimmt sie sogar kurz zu. Ich erreiche die erste Kehrengruppe, ein paar Radfahrer fahren an mir vorbei und ich an anderen, einige werden mir noch öfter an diesem Tag begegnen, je nachdem, wer grade Pause macht. Ich fotografiere viel. 

Es wird kälter und kälter. Ich muss anhalten und die Regenhose überziehen, ich merke, dass ich sonst Krämpfe bekomme. Weit hinten der Ortler wie 1995 wolkenverhangen. Der "Weiße Knott" wird passiert und es geht höher und höher. 

Dann kommt der Moment, als zum ersten Mal die Passhöhe ins Bild kommt. Das macht Mut, scheint doch das Wetter zu halten. Aber die Kälte! Noch nie zuvor habe ich am Berg erlebt, dass ich während der Auffahrt friere. Meine Finger sind klamm. Immer mehr Wolken ziehen heran. Doch ich weiß, das ist zu schaffen.

Franzenshöhe zieht vorbei. Immer öfter geht der Blick nach oben und unten, ich staune wieder über die unglaubliche Straßenführung. Kehre über Kehre. Dann wird es noch einmal hart. Ich fahre zeitweise in den Wolken, die Luft wird immer frischer, der Wind frischt auf. Nichts zu sehen, kaum noch zwanzig Meter Sicht. Doch dann reißt es wieder auf, ab und zu kommt sogar die Sonne durch. Ganz wie elf Jahre zuvor. Bizarre Eindrücke, wenn die Wolken über die Leitplanke aufwärts fegt.

Stilfser Joch

Stilfser Joch

Stilfser Joch

Dann die letzten Kehren, die Luft wird dünner, ich muss ein paar Mal anhalten, um meinen Puls zu beruhigen. 

Stilfser Joch

Stilfser Joch

Stilfser Joch

Doch dann ist es geschafft, die gräßliche Passhöhe liegt vor mir. Hier halte ich mich nur kurz auf, um ein trockenes Shirt anziehen, Postkarten und Aufkleber kaufen, ein warmes Würstchen essen.

Stilfser Joch

Stilfser Joch 

Dann geht es wieder hinab. Das Rad läuft prima - wenn denn nicht meine Finger vor Kälte schmerzen würden. 

Stilfser Joch

Doch nach knapp 45 Minuten bin ich drunten beim Auto, Fahrrad rein, Heizung an und Rückfahrt.

 

Durch einen Softwarefehler sind leider die ersten Photos verloren gegangen, alle Bilder stammen von den letzten 2-3 Kilometern sowie der Passhöhe...