Col de la Ramaz (Montag, 14. Juni)
Bei der Übertragung der Tour 2003 war mir besonders der Col de la Ramaz aufgefallen. Ich hatte damals spontan gesagt, wenn du nach Savoien kommst, fährst du da auch drüber. Allerdings hatte ich völlig vergessen, was mich so fasziniert hatte. Das sollte sich an der entscheidenden Stelle dann aber schlagartig aufklären.
Von Anfang an hatte ich den Ramaz an den Schluss gestellt. Ausgangspunkt ist das kleine Städtchen Taninges, 10 Kilometer nördlich von Cluses. Es bot sich an, auf der Rückfahrt von Albertville nach Deutschland dieses Pass noch zu befahren.
Bis nach Mieussy gibt es keine Probleme. Es ist angenehm kühl und ich kann mich warm fahren.
Dann geht es Richtung Ramaz. Schnell geht es bergauf, so mit ca. 8%. Angenehme Steigung und lange beherrscht der Mont Blanc die Szenerie.
Kurz vor dem Wiesenplateau Sommand wird es dann richtig hart. Die Steigung nimmt bestimmt auf 10-12% (vielleicht auch mehr?) zu. Ich beginne zu verstehen, warum Lance Armstrong diesen Pass als schwierig bezeichnet hat.

Das schöne Wiesenplateau entschädigt dann für die Mühe. In einer weiten Kurve fährt man durch eine derzeit blühende Wiese.
Danach wird es noch mal heftig. Unverkennbar, dass die Tour letztes Jahr hier lang kam. Ullrich, Virenque und Armstrong sind die häufigsten Namen.
Und dann ist der Ramaz erreicht. Und schlagartig weiß ich, was mich so fasziniert hatte am Fernseher:
Vor mir ausgebreitet liegt das ganze, riesige Massiv des Mont Blanc. Mit einem Photo ist es nicht festzuhalten, es geht "links" noch viel weiter. Landschaftlich gesehen der absolute Höhepunkt meiner diesjährigen Reise. Ich wäre am liebsten hier oben stehen geblieben...
Aber es folgt ja noch die Abfahrt und dann noch eine lange Autofahrt. Und da erlebe ich zunächst einen Schock. Nach dem Urlaubsort Praz-de-Lys stehe ich vor einem Schild: "Route barree" - Strasse gesperrt! Was jetzt? Ich entscheide mich, doch runterzufahren, den ganzen langen Weg will ich nicht mehr zurück. außerdem kam mir zumindest ein Radfahrer entgegen - allerdings kein einziges Auto... Es geht dann auch sehr steil runter und ich frage mich dann irgendwann: was ist, wenn ich da doch nicht durchkomme?
Sehr weit unten stehe ich dann unvermittelt vor einer totalen Straßensperre. Zu sehen und zu hören ist allerdings nichts. Ich hebe mein Rad über die Sperre rüber und komme schnell zu einer Baustelle. Zum Glück sind keine Bauarbeiter zu sehen, so dass ich mein Rad da gut durchschieben kann. Aufatmen und ein Photo von "unten", wo die Absperrung auch nicht so vollkommen ist. Direkt danach komme ich auf die Hauptstrasse, die von Taninges nach Morzine führt und rase die letzten 10 Kilometer zurück.
Der Rest ist schnell erzählt: Rad ins Auto, ich fahre noch über Morzine nach Evian am Genfer See und dann weiter Richtung Montreux. Das Wetter ist toll, ich mache noch ein Photo und dann folgt die Lange Heimfahrt.

