Col de la Madeleine (Donnerstag, 10. Juni)
Vor fünf Jahren war ich mit einem geliehenen Rennrad an diesem Pass gescheitert, in diesem Jahr wollte ich ihn unbedingt befahren. Da es wieder ein heißer Tag werden sollte, startete ich schon früh am Morgen. Die ersten 20 Kilometer durchs Tal der Isere verlaufen bei kräftigem Rückenwind wie im Flug. Die Strecke ist mit großen Schildern markiert, ich folge zunächst der "Liaison Isere/Arc/Gelon", die abseits der Hauptstrasse verläuft.

Bei Aiton geht es ins Tal der Maurienne. Ich folge auch hier dem ausgewiesenen Radweg. Der verläuft zwar auch sehr ruhig, macht aber etliche Kilometer und auch Höhenmeter zusätzlich aus.
In La Chambre beginnt die Passstraße. Sie zieht sofort mit etwa 10% Steigung nach oben. Viel flacher wird es auch nicht mehr werden. So gewinne ich schnell an Höhe und die Aussicht wird spannend.

Zum Glück liegt ein großer Teil der Strecke auch jetzt noch, so gegen 11.00 im Schatten.

Immer wieder auch diesmal blühende Bäume und Wiesen. Oftmals liegt ein betörender Duft in der Luft. Nur selten steigen dagegen die stinkenden Rauchschwaden aus Schornsteinen auf, die ich 1999 so furchtbar in der Maurienne gefunden hatte.

Nach etwa der Hälfte der Auffahrt kann ich erstmals einen Blick in Richtung der Passhöhe werfen, auch die ersten Häuser von St. Francois Longchamp werden sichtbar.

Inzwischen brennt die Sonne auch hier oben auf ca. 1500 Meter heiß. Jedes Fleckchen Schatten wird von mir konsequent ausgenutzt, mehr als 5 Liter Wasser werde ich an diesem Tag während der Tour trinken.
St. Francois Longchamp ist auch so ein Wintersportort... Jetzt im Frühsommer, völlig ausgestorben, ziemlich gespenstig.
Hinter dem Ort beginnen die langen Kehren in einer unglaublich grünen Wiesenlandschaft.

Noch ein Blick zurück auf St. Francois.

Jetzt gibt es keinen Schatten mehr. Zum Glück ist die Steigung aber jetzt etwas geringer, so dass ich den Rest der Auffahrt schnell bewältige. Zudem geht auch ein leichter Wind, der für etwas Abkühlung sorgt.

Ein Blick zurück auf die lange Kehre, die schon hinter mir liegt.

Und dann ist es geschafft. Für ein paar Minuten sinke ich im Schatten auf einen Stein, die Hitze hat mich ganz schön geschafft. Dann mache ich das obligatorische Photo. Für die Abfahrt ziehe ich erstmals in diesem Jahr die Windjacke nicht an.
Dann der Blick voraus auf die Abfahrt. Bestimmt wird die Aussicht vom Mont Blanc, der alles überragt.
Auf zumeist sehr gut ausgebauter Strasse geht es dann schnell hinunter. Mehrfach bleibe ich noch einmal stehen, um Photos zu machen.

Lange Zeit geht es dann flott bergab. Die Aussichten wechseln ständig, nach und nach versinkt auch der Mont Blanc.

Gelegentlich blicke ich auch mal zurück. In dieser Richtung wäre der Madeleine auch eine faszinierende Tour!

Weiter unten wird die Straße schmaler und schmaler. Die entgegenkommenden Motorräder werden jetzt mitunter zum Problem. Es ist sehr wenig Verkehr, was einige Biker wohl glauben läßt, dass ihnen niemals jemand in einer Kurve entgegen kommen wird. Da gab es eins, zwei gefährliche Momente.

Und dann bin ich unten im Tal. 15 Kilometer sind es noch bis Albertville und die werden zur Tortur. War es bisher sehr heiß, wird es nun kochendheiß. Dazu kommt mir ein kräftiger Aufwind entgegen. Völlig am Ende meiner Kräfte erreiche ich Albertville. Ich bin so platt, dass ich auf meinem Bett erst einmal eine halbe Stunde fest einschlafe...