Col de la Croix de Fer (Montag, 7. Juni)
Als erste Strecke hatte ich den Croix de Fer gewählt, nur 60 Kilometer und 1700 Höhenmeter. Das sollte als Auftakt reichen, zuviel wollte ich mir am ersten Tag nicht zumuten. kannte ich die Strecke aus dem Jahr 1999. AußerdemAllerdings kam es etwas anders.
Start war der kleine Ort La Chambre, wo Glandon und Madeleine enden (oder anfangen, je nach dem, wie man es sieht). Die ersten 10 Kilometer im Tal der Maurienne sind dadurch bestimmt, sich von den vorbeibrausenden LKW´s nicht erschrecken zu lassen.
Dann komme ich nach St. Jean de Maurienne. Hier geht es richtig los und gleich steil nach oben.

Nach wenigen hundert Metern steht da ein Schild: Tunnel gesperrt, Umleitung über Albiex und den Col du Mollard. Na ja, sage ich mir, so schlimm wird´s schon nicht werden. Später werden es aber doch 10 zusätzliche Kilometer und etwa 400 Höhenmeter mehr sein.

Die Strasse verläuft unspektakulär, meist so mit 10%, oft auch darunter, aber sicher auch 12% sind mal drin. Sie ist schmal und an vielen Stellen in schlechtem Zustand. Dafür gibt es viel Wald und somit Schatten, worüber ich sehr dankbar bin, denn es ist bereits sehr warm in der Sonne.

Schließlich bin ich so weit oben, dass ich die "klassische" Auffahrt mit den Tunneln auf der gegenüberliegenden Talseite verfolgen kann.

Überall blühen auf den Wiesen noch die Blumen, an vielen Stellen liegt ein intensiver Duft in der Luft.

Schließlich erreiche ich Albiex und bald darauf auch den unscheinbaren Col du Mollard (1638). Dafür ist das Panorama, dass sich mir auf der Abfahrt bietet, beeindruckend. Leider ist die Strasse an vielen Stellen so schlecht (sogar eine Schotterpassage ist darunter), dass mir zum Schauen kaum Zeit bleibt.
Nach der Abfahrt komme ich zurück auf die Auffahrt zum Croix de Fer. Malerisch zieht sich die Strasse nach oben, ohne dass es zu anstrengend wird.

Schließlich ist der Verlauf der Strasse bis zur Passhöhe erstmals zu sehen. Gleich darauf ist St. Sorlin d`Arves erreicht, eine ziemlich hässliche Hotelsiedlung. Hier wird es nun sehr steil, bis 14% steil und dementsprechend hart muss ich in die Pedale treten. Darüber hinaus ist es sehr heiß, mein Thermometer zeigt 37-39 Grad in der Sonne an.

Nach dem Ort bin ich so platt, dass ich mich für einige Zeit in den Schatten unter einen Busch setze und warte, bis sich meine Körpertemperatur beruhigt hat.

Das war eine kluge Entscheidung, denn von nun an habe ich keine Probleme mehr bis oben. Die Steigung liegt beständig bei 8-10%, das ist fast angenehm - aber die Sonne brennt vom Himmel. Und auf der Strasse gibt es keinen Schatten mehr...

Je höher ich komme, desto beeindruckender wird die Aussicht und die Streckenführung. Die Strasse ist schmal, meist ist auch nur auf einer Seite Platz zum Stehen - ich frage mich, wie da bei der Tour die Fahrer überhaupt durchkommen...

Ein Blick zurück. Von oben sieht St. Sorlin nicht ganz so häßlich aus...

Dann bin ich fast oben.

Ein kleiner See taucht auf und ist ein schöner Kontrast zu all dem Stein, Geröll und Wiesengrün.

Und dann ist es geschafft. Schon einmal stand ich hier oben, im September 1999.

Die Passhöhe ist derzeit eine einzige Baustelle.

Ein Blick voraus: die Abfahrt und in der Bildmitte der Abzweig zum Glandon.

Der Glandon ist von dieser Seite aus ein Winzling: 200 Meter nach der Abzweigung steht man unvermittelt vor diesem Schild.

Interessanter sieht es aus, wenn man nach einigen hundert Metern Abfahrt zurück schaut.
Überhaupt die Abfahrt! Zunächst stürzt die Trasse ins Tal, dann wird es flacher.

20 Kilometer sind es noch bis La Chambre, fast nur Gefälle, nur in den Ortsdurchfahrten muss ich mit treten. Dafür ist die Strasse an vielen Stellen in einem katastrophalen Zustand und ich frage mich die ganze Zeit, wie die Tour-Fahrer im Juli hier heil runterkommen wollen...
Dann endet die Fahrt bei brütender Hitze, über mir braut sich ein Gewitterschauer zusammen und kurz nachdem ich bei meinem Auto bin, fallen die ersten Tropfen.
