Matthias Jung

 

 

 

Von Meran nach Mittenwald - Brenner und Möserner Sattel
(7. September 2000)

 

Rückfahrt! Schon vor Tagen hatte ich beschlossen, nicht über den Reschenpass zu fahren, sondern erst mit dem Zug bis zum Brenner. Wie gut diese Entscheidung war, zeigte sich an diesem Morgen: starke Bewölkung, leichter Regen. Ein Tief drängte von Norden her gegen die Alpen. Noch einigermaßen kam ich zum Bahnhof. In Bozen schien aber die Sonne! Und so blieb es zu meiner großen Überraschung bis hinauf zum Brenner – strahlender Sonnenschein. Hatte ich erst überlegt, eventuell gleich mit dem Zug bis Innsbruck weiter zu fahren, fällt mir die Entscheidung jetzt nicht schwer: auf´s Rad und den Brenner hinunter.

Zunächst noch mit Gegenwind, lässt dieser aber schnell nach. Ich warte die ganze Zeit auf Regen, aber er kommt nicht. Nur Wolken, die drängen von der anderen Seite an die Bergketten. Ich aber fahre auf der Sonnenseite. Bis Innsbruck ändert sich nichts, wenn es auch über der mächtigen Nordkette tiefschwarz ist und die höheren Lagen schneeweiß sind. Auf Irrungen und Wirrungen geht es durch Innsbruck, Straßensperrungen und für Fahrräder verbotene Straßen erschweren das Weiterkommen. Schließlich finde ich doch den Aus-Weg Richtung Zirl/Telfs.

Jetzt wird es anstrengend. Strammer Gegenwind. Von Nordwesten zieht ein Schauer nach dem nächsten herab, glücklicherweise alle an mir vorbei. Endlich erreiche ich Telfs. Nun noch hinauf zum Möserner Sattel. Das ist noch mal ganz heftig. 6 Kilometer mit durchgehend 10% Steigung. Da hilft auch der Rückenwind nichts.

2000

Aber irgendwann komme ich doch oben an. Ich ziehe neue, warme Kleidung an. Waren es unten im Inntal noch fast 20 Grad, so sind es jetzt nur noch 12 Grad. Ich komme schnell nach Seefeld und ärgere mich über eine nicht vorhandene oder für mich nicht zu findende Beschilderung. Es dauert eine Zeit und einige Extra-Kilometer, bis ich die Straße Richtung Scharnitz finde.

Und nun kommt das dicke Ende: es beginnt wie aus Eimern zu schütten. Die Abfahrt ist höchst gefährlich, glatte Straße, Bremsen ziehen nicht wie gewohnt, stürmischer, böiger Wind von vorn und der Seite, der mir ins Gesicht peitscht. Ich bin heilfroh, als ich Scharnitz erreiche. Weiter Dauerregen. Aber bis Mittenwald ist es nicht mehr weit. Am Ortseingang kommt dann der gefährlichste Moment des ganzen Urlaubs: ich stürze fast schwer in einer langen Rille der Straße, die mit Wasser gefüllt ist. Wie ich da heil durch gekommen bin, weiß ich bis heute nicht. Kurz darauf stehe ich pitschnaß vor der Rezeption meiner Unterkunft und freue mich auf eine warme Dusche und ein schönes Abendessen...

Bilanz dieser Radreise: 690 Kilometer und mehr als 10.000 Höhenmeter.